<Common Roots> Volume V

No Sleep By The Machine / Severe Illusion / Gubbjävel

25.11.2013 - Zum fünften Mal bereits lud das Common Roots-Team zum elektronischen Tanze und hatte am 23.11.2013 ein durch und durch schwedisches Paket für die Berliner Szene geschnürt. Von: Torsten Pape

Image NSBTM (Foto: Torsten Pape)

Die Türen des Comet-Clubs öffneten sich pünktlich um 19 Uhr und obwohl das in der Hauptstadt an einem Samstag eine ungewöhnlich frühe Zeit ist, war der kleine, aber feine Konzertraum um 19:45 Uhr bereits so gut gefüllt, dass eine anstehende Weltpremiere gebührend gefeiert werden konnte. Gubbjävel, das Solo-Projekt des No Sleep By The Machine-Frontmannes gab nämlich sein offizielles Bühnendebüt. Ein Mann, ein Rhythmus - mehr brauchte es nicht, um den Abend zu eröffnen. Das war klangtechnisch minimal, aber die hämmernden Takte und das schwedische Gebrüll gingen eine wirklich gut funktionierende Fusion ein. Der Auftritt war kurz und knackig und Songtitel wie "Förgifta" ("Vergiften"), "Skjuta" ("Erschießen") oder "Baka" ("Backen") lassen in etwa erahnen, wohin der Hase lief... Die Anwesenden waren am Ende jedenfalls bestens vorgewärmt für die Jungs und das Mädel von Severe Illusion, die kurze Zeit später die Bühne betraten, um im Folgenden einen hypnotischen und mitreißenden Gig abzuliefern, der beste belgische und kanadische Traditionen in sich vereinte. Bereits der erste Track "Movement" (von der Debüt-Maxi aus dem Jahre 2002) preschte ordentlich aus den Boxen und der anfangs noch hübsch in Frischhaltefolie verpackte Sänger beherrschte wie ein Schamane die Bühne. Das Verpackungsmaterial hielt dem Bewegungsdrang des alten Mannes (Originalzitat!) jedoch nicht lange stand und so war eben bald Frei(Ober-)Körperkultur angesagt. Natürlich präsentierte man etliche Kracher älteren Kalibers wie "Mocking bird", "Trust" oder "Repent" und mit "Louder than words" sowie dem grandiosen "Hole" gleich noch zwei Lieder des an diesem Tage erschienenen aktuellen Longplayers "Deliberate Prefrontal Leucotomy". Manch einer wird sich am Ende vielleicht noch die Frage gestellt haben, ob der Einsatz des Basses mehr als optische Gründe hatte, da man ihn beim besten Willen nicht heraushören konnte, aber eigentlich war das auf Grund des ansonsten rundum überzeugenden Gesamteindrucks dann aber doch ziemlich irrelevant und egal... Nun warteten die mittlerweile gut 150 Konzertgänger mit Spannung auf den Auftritt von No Sleep By The Machine, denen der Ruf einer fantastischen Live-Band bereits vorausgeeilt war. Diesem wurden die drei Jungs dann auch vollkommen gerecht, in dem sie ein kraftvolles Feuerwerk von über zwanzig Songs abbrannten und am Ende wirklich keine Gefangenen machten. Das lag natürlich nicht unwesentlich an den mitgebrachten, straffen Electro-Brettern, die mit ihren parolenartigen Texten einschlugen wie eine Bombe, aber natürlich ebenso an dem bereits zu Beginn des Abends warm gelaufenen Frontmann TB. Wirkte dieser im Rahmen des Opening Act schon etwas irre, so musste man erkennen, dass das anscheinend doch nur der Stromsparmodus gewesen war. Zitternd und sich verbiegend fegte er über die Bühne und in den Momenten, in denen die Augen geradezu herausquollen, war der Wahnsinn mehr als nur greifbar. Spätestens beim allseits bekannten "Silent killing" kochte dann der Saal endgültig über und am Ende ließ man die Band erst nach einer Zugabe und angesichts des vom Club gesetzten Zeitlimits von der Bühne. Leider konnte das fantastische, neue Album "Splice" auf Grund von Verzögerungen bei der Produktion an diesem Abend noch nicht zum Verkauf angeboten werden, aber immerhin gab es mit "Firth and ridge", dem absolut geilen "Waywarder" und "Ramchum" trotzdem drei der taufrischen Songs auf die Ohren.
Da der Konzertraum bis 23:30 Uhr vollständig geräumt sein musste, zog das Electro-Völkchen brav eine Etage nach oben, wo es ohne Verzögerung in den Disco-Modus umschwenkte. Die DJs dRill und Intox Matze boten ein kurzweiliges Old School-Set mit einer hervorragenden Mischung aus oft gehörten, aber auch anderswo leider viel zu selten gespielten Klassikern von Skinny Puppy, Mentallo & The Fixer, PNE, Klinik, FLA, Einstürzenden Neubauten und vielen anderen. Um 4:30 Uhr war dann aber auch dieser Teil der Veranstaltung beendet und nach einem rundum gelungenen Abend freuen sich bestimmt nicht wenige der Besucher schon jetzt auf eine hoffentlich bald anstehende Fortsetzung dieser tollen Veranstaltungsreihe.


Setlists:


Gubbjävel

01 Förgifta
02 Skjuta
03 Föda
04 Baka
05 Bygga
06 Gräva


Severe Illusion

00 Intro
01 Movement
02 Louder than Words*
03 Proud
04 Human Rites
05 Mockingbird
06 Hole*
07 I wish I was dead
08 Pieces of a riot
09 Trust
10 Repent


NSBTM

0 Intro
01 You
02 I am
03 Candle
04 Last One
05 Clickaduk
06 Firth and ridge *
07 Need for speed
08 Humanity
09 Illuminate
10 Ramchum *
11 Stay to play
12 Bequest
13 KQQ
14 The pit
15 Choice
16 In it shelf
17 Waywarder *
18 Teenbeat
19 Silent killing
20 Yellow Mica
Encore:
21 Truth
22 Children

*neue Songs