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Scream Silence "Heartburnt"

Blutrot ist der erste (optische) Eindruck, den man vom neu(nt)en Album der Berliner erhält und das passt optimal zu den ersten synthetischen Klängen des Openers, die an einen melancholisch stimmenden Sonnenuntergang denken lassen, zu seinem Namen "Born with blood on my hands" natürlich erst recht und zum Album sowieso, da es sich mit diversen Herzensangelegenheiten beschäftigt. Wer die Band kennt, kann sich jedoch vorstellen, dass es im Folgenden wohl kaum sehr lange elektronisch bleiben wird und prompt setzen alsbald wunderbar wallende Gitarrenklänge ein, die symphonische Weiten suggerieren. Seufzend verhallt irgendwann der letzte Ton und die aktuelle Single "Art remains" bringt mit ihrem flotten Tempo, der unvergessbaren (sic!) Melodie sowie dem tollen Gesang Schwung in die postpunkige Behausung. Im weiteren Verlauf begibt man sich zudem immer wieder auf kleine und größere Ausflüge in die langjährige Bandgeschichte, wodurch locker ein Spektrum zwischen Gothic, Prog-Rock und dezenter Metal-Schwere abgedeckt wird. Letztere erfährt ihren Höhepunkt übrigens in einer unerwarteten und dadurch sehr erfrischenden Riff-Attacke im ansonsten eher elegischen Titelsong. Aber auch ein äußerst gelungenes Cover von The National ("Conversation 16") gilt es zu entdecken oder den ersten deutschsprachigen Text ("Etwas starb in mir"), der überzeugend und ansprechend in dunkle Töne verpackt wurde. Generell bedürfen die gesungenen Worte jedoch unbedingt separater und besonderer Erwähnung, da sie allesamt aus der Feder von Anthony J. Brown, einem befreundeten Songwriter und Komiker aus Sheffield stammen. Letztere Berufsbezeichnung findet zwar eher wenig Niederschlag in den für die Berliner Truppe kreierten Texten, aber dafür sind diese ausnahmslos als formvollendet und umwerfend poetisch zu bezeichnen. Abschließend muss man einfach festhalten, dass "Heartburnt" eine absolut gelungene Vorstellung bietet und die Jungs von Scream Silence zum Glück nicht müde werden, ihre treue Fanschar mit tollen Alben zu versorgen. Und das ist gut so, denn an so schöner Musik kann man sich im (Herzens)Grunde nicht satt hören. (Torsten Pape)

Label Plainsong Records | 05.06.2015 | Homepage www.screamsilence.de

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