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V.A. "Synth Radio Vol.6"

Kam die Review zum Vorgänger noch arg verspätet, wird die 2015er Ausgabe der russischen Compilation mit nicht mal drei Monaten Verzögerung doch geradezu zeitnah besprochen. Hier kommen die Details zu dieser erneut tollen Gelegenheit, die blühende russische Synthie-Szene besser kennenzulernen:

Am Anfang der randvollen CD findet man Rayphonic, dessen Mastermind Bogdan sein "Поставьте Сердце" herrlich unbeschwert und frisch herausbleept. Da schimmert vielleicht auch ein wenig die sonnige Heimatstadt Odessa am Schwarzen Meer durch... (4)

Das Ein-Mann-Projekt StopTalk konnte bereits mit seinem Debüt begeistern und präsentiert hier ein exklusives, recht ruhig gehaltenes Stück. "Elizabeth is gone" strahlt dabei eine gewisse Tragik und Gefühlsschwere aus. (4)

Tragik scheint auch beim nächsten Stück "Солдат" eine gewisse Rolle zu spielen und Digital Machine unterlegen das "Armee"-Thema mit dunklen, elegischen Synthie-Klängen. (4)

Nun folgt die erste Moskauer Band und Simple Cut verhehlen ihre Affinität zu De/Vision oder Camouflage kaum. Da muss man angesichts der Textzeile "Try to forget" natürlich ein wenig schmunzeln. Das beschwingte "Tonight" klingt trotzdem toll und macht definitiv Lust auf mehr. (5)

Logika Metro aus Minsk überraschen zunächst mit ungewöhnlichen Tönen sowie einer gefälligen Melodie bevor eine unter die Haut gehende Männerstimme einsetzt. Wenig später wird "Февраль" zum Duett und weiß auch ohne markanten Refrain und trotz einiger Schwächen bei der Produktion sehr zu gefallen. (5)

Pegasus Asteroid bringt dann als erste Band eine alleinige Frontfrau und mit "The fog" einen absoluten Überflieger an den Start. Das ist fraglos ein super geschmeidiger Hit mit Radioformat! (6)

Der siebente Song startet mit einem geradezu unwiderstehlichen Rhythmus und die auch hierzulande bereits bekannten WANT/ed schmettern mit "Hard to breathe" einen amtlichen Tanzflächenkracher heraus. (5)

Das Ein-Mann-Projekt Mental Discipline hatte bereits "Synth Radio Russians Vol.5" überzeugend eröffnet und auch "End of days" kann durch seinen forschen Hitcharakter überzeugen. Jubilierende Refrains gehen Alex Mental anscheinend gut von der Hand. (5)

Konnte mich "Hypno", das aktuelle Album von Cosmopolite, absolut überzeugen, holt mich "Не Держи" nicht wirklich hinter dem Ofen hervor. Klingen Intro und Gesang noch sehr interessant, machen der rumpelige Rhythmus und die schrammeligen Gitarren den guten Eindruck schnell kaputt. (3)

Eigentlich möchte man sich nur ungern mit russischen Raketen auseinandersetzen, aber bei den Hauptstädtern von 64 Rockets und ihrem schnuckeligen Liedchen "Мы Будем Ждать (Напрасная Юность Cover)" macht man doch eine Ausnahme. Klingt ein bisschen wie Welle:Erdball und das überzeugt. (5)

Radiomun aus Kaliningrad bleiben mit "Tantrium" ihrer Linie treu und bieten einen fluffigen, fließenden Song an, dessen Refrain gut ins Ohr geht. (4)

Gewaltige Klavierklänge eröffnen den Beitrag von Bourbon Show. "Void" könnte man (besonders im ersten Teil) stilistisch zwischen "Black celebration" und "Music for the masses" ansiedeln. Das Lied strahlt jedenfalls eine gewisse Größe aus. (4)

Waren Dekalog noch mein Favorit auf dem Vorgänger, muss man auf Grund von "Биоробот" die Führungsposition nun wieder abgeben. Der "Bioroboter" klingt wie eine dünne, zappelige und gleichzeitig tiefergelegte Variante von t.A.T.u. (4)

Den Preis für den spaßigsten Bandnamen und abgefahrensten Songtitel erhalten ungehört SaveTheCryingGoddess! "Girl that didn't become ex-girlfriend" ist dann leider musikalisch keine Offenbarung, da der Track irgendwie blechern und überladen klingt. Letzteres passt ja dann wenigstens noch ein bisschen zum verliehenen Preis... (3)

Saint Gooseberry preschen mit geradezu irrwitziger Energie aus der Box und pusten mit "Sick image (Kill the lust)" und dem gebotenen, monotonen Rhythmus sowie den abgefahrenen Samples/Sounds ordentlich die Gehörgänge durch. (5)

Zum Abschluss rasselt Sparky4 noch mit den Ketten ("Chains"), was sich jedoch mehr als geschmeidig anlässt und nicht zuletzt an der bezaubernden Frauenstimme sowie den schönen Streicherklängen liegt. Da passen dann sogar die Gitarren sehr gut ins Bild. Traumhaft (6)

Dieses Mal haben die Bands mit den Frontfrauen also ein wenig die Nase vorn und es gibt wieder viel gute bis sehr gute Musik zu entdecken. So schmälert den überzeugenden Gesamteindruck am Ende nur, dass das Booklet leider nicht annähernd so viele Bilder, Texte oder Infos enthält wie das des Vorgängers. (Torsten Pape)

Label Scent Air Records | 20.03.2015 | Homepage www.scent-air.com

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