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Klez.e "November"

Auf ihrem im Januar 2017 veröffentlichten Album "Desintegration" zeigten sich Klez.e deutlich geprägt vom The Cure Sound der 1980er Jahre. Hypnotisierende Bässe, TomTom-Trommeln, synthetische Flächensounds, eine Gitarre, die einzeln angespielten Seiten den Vorzug gegenüber Akkorden gab... ein schwarzes Loch im Zentrum deutscher Gegenwart. Musikalisch schwer und verregnet sprach Sänger Tobias Siebert kompromisslos Mängel innerhalb unserer Gesellschaft an, die selbige zerstören werden.

Das Kalenderjahr ist noch nicht vorbei, da folgt mit "November" ein Mitschnitt aus der Reihe jener Auftritte, die sich an die Veröffentlichung von "Desintegration" anschloss. 15 Songs sind auf dem Doppel-Album enthalten. Klanglich wissen die Scheiben zu überzeugen. Das ist auch im Jahr 2017 nicht immer selbstverständlich. Präsentiert wird das gesamte "Desintegration" Album, fünf Songs aus dem Longplayer "Vom Feuer der Zeit" sowie "Strandlied" und das bis dato unveröffentlichte "Raupe".

Einige der älteren Stücke wurden dem Klang-Gewand des letzten Studio-Longplayers deutlich angepasst. Das im Original lebendig poppige "Strandlied" klingt 2017 wesentlich melancholischer. Das Gitarrenspiel erinnert dabei einmal mehr an The Cures 1989er Meisterwerk "Disintegration". Hinzu kommt die neue Songlänge. War die ursprüngliche Version vier Minuten und 27 Sekunden lang, sprengt "Strandlied" 2017 die elf Minuten Marke. So ergeht es u.a. auch "Der Garten", dessen Live-Länge 12:22 min. beträgt. Umfangreiche Instrumentalpassagen prägen das wesentlich atmosphärischer gestaltete Live-Arrangement.

Das neue Stück ("Raupe") lässt darüber hinaus erahnen, dass sich Klez.e 2018 mehr in Richtung "Pornography" verschieben werden. Es war das düsterste, schwerste und kaum greifbare Album von The Cure, das gleichzeitig zu ihren besten zählt. Die "Raupen-Gitarre" dringt den Raum einengend in den Kopf vor und grillt das Gehirn am Spieß. Mehr davon. (Manfred Thomaser)

Label Staatsakt | 10.11.2017 | Homepage www.klez-e.de/

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