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MajorVoice "A new chapter"

MajorVoice - lässt man sich diesen Bandnamen auf der Zunge zergehen, schießen einem viele mögliche Übersetzungen bzw. Deutungen durch den Kopf. "(Gesangs-)Stimme" ist klar, aber beim "Major" reicht es vom militärischen Dienstgrad bis hin zum Tongeschlecht und auch Adjektive wie "größer", "bedeutend" oder "kapital" sind im Topf. Sieht man die Uniform des Hauptprotagonisten Ronald Zeidler und erklingen dann die ersten Töne des Albums, macht irgendwie alles davon Sinn. Über einem monumentalen Arrangement erhebt sich eine klassisch ausgebildete Stimme, die einem den Atem raubt und beständig die Extreme auslotet. Allein die Kunst, in diesen tiefen Bass-Tonlagen (Weißer Schimmel, ich weiß...) so deutlich und herzerwärmend zu intonieren, beeindruckt nachhaltig und immer, wenn man denkt, es könnte nicht noch weiter runter gehen, öffnet sich ein weitere Ebene unterhalb der vorigen. Wenn der Major jedoch zum Appell ruft, wird nicht etwa die Nationalhymne oder das Loblied auf die Garnison geschmettert, sondern im vorliegend Fall ausgiebig in der Kiste mit dem populären Liedgut gekramt. Die berühmte Ausnahme von der Regel macht den Anfang und "Shot in the silence" ist eine tolle und vielschichtige Komposition von Martin Engler (Mono Inc.), die extra für Herrn Zeidler angefertigt wurde. Harte Gitarren treffen hier auf eine stramme und einprägsame Melodieführung. Im Anschluss begibt man sich dann aber endgültig sowie dauerhaft ins Reich der Coverversionen und die dargebotenen Interpretationen könnten wirklich nicht spannender ausfallen. Den Anfang macht "Stay" von Shakespeares Sister und die einfühlsame Pop-Nummer mausert sich schnell zum fetten Rock-Schmachtfetzen. Das anschließende "Wicked game" wird zwar für manche Hörer bereits in die Kategorie "Zu oft gehört" fallen, aber bitte gebt MajorVoice eine Chance. Die Stimmen von Chris Isaak und Ville Valo klingen nämlich im Vergleich mit diesem tiefer gelegten Organ wie ein leichtes Säuseln im Wind. Danach kommt mit "Here with me" (Dido), "Wonderful life" (Black) und "The great commandment" (Camouflage) erneut Inhalt der Vorab-EP zum Zuge, bevor die wohl größte Überraschung dieses Debüt-Albums auf dem Plan steht. Lana Del Reys "Summertime sadness" ist einer der schönsten Songs der jüngeren Pop-Geschichte und auch wenn man sich nur ungern von der Vorstellung trennt, dass sich diese Dame ihr "red dress" überstreift, gewinnt dieses Lied im vorliegenden Kontext eine schöne Facette hinzu. Nun huldigt der Meistersinger erneut seinen Förderern und interpretiert gekonnt Mono Incs "My sick mind TV" bevor noch einmal zwei ganz große Namen bzw. Nummern aus dem Hut gezaubert werden. Mit "Never let me down again" von Depeche Mode und "White wedding" von Billy Idol kann man an dieser Stelle natürlich nichts falsch machen und folglich erblühen auch sie im Noch-mehr-Breitwand-Klang. Ganz am Ende gibt es dann noch ein Schmankerl aus der Kult-Klassiker-Kiste und "Drive" von Cars stellt einen wunderbaren Abschluss für dieses im besten Sinne berauschende Werk dar. Bom-Bass-tisch!
(Torsten Pape)

Label NoCut | 24.11.2017 | Homepage www.facebook.com/MajorVoiceOfficial/

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