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Kasper Hate "Why live when you can rule"

Nur ein Jahr nach dem Erscheinen des letzten, schillernden Werkes "A hunter must hunt" hat das norddeutsche Projekt von Björn Persigla und Thorsten Kulicke bereits den nächsten Langspieler am Start. Das ist nicht viel Zeit, um Entzugserscheinungen zu entwickeln, aber wer Kasper Hate bereits kennen und lieben gelernt hat, wird trotzdem aus dem Stand heraus reichlich Neugier auf die neuen Songs entwickeln können. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass es auf den Alben stets absolut facettenreich, tiefgründig und melodisch zugeht und man von diesen Eigenschaften ja sowieso nie genug bekommen kann.
Nachdem man sich an dem erneut opulenten und kunstvoll arrangierten Booklet ergötzt hat, fällt der Blick zunächst auf die vierzehn Stücke umfassende Tracklist, die durch Intro, Interlude und Outro eingerahmt und in zwei Hälften unterteilt wird. "Schwarzromantik" heißt die stilvolle Einführung und wartet mit dem Gedicht "Der Schlosself" von Anette Freiin von Droste-Hülshoff auf. Danach geht es synthetisch-beschwingt und klangvielfältig mit dem Stück "Replaced sun" weiter, das durch geschickte Selbstzitierung einen Brückenschlag zum Vorgänger-Album darstellt. Willkommen zurück im KH-Universum mit seiner typischen, warmen Stimmfarbe, den teils ungewöhnlichen und doch am Ende stets harmonischen Sounds sowie der herzlichen Einladung, sich in diese Songs fallen bzw. sich von ihnen berühren zu lassen. Die Geschichten hinter "Killer words", "Reasons to pretend", "Big boys cry" oder auch "The flood" ziehen jedenfalls umgehend in ihren Bann und lassen das Wiedergegebene sofort mitfühlen. Hier gibt es Situationen zu entdecken, die jeder kennt, aber auch scheinbar Widersprüchliches und faszinierende Gegensätze laden zur phantasievollen Interpretation ein. Im zweiten Teil des Albums, der virtuellen B-Seite, erscheint das Spektrum dann sogar noch breiter, da zwischen einem fast schon glatten Wohlfühl-Track wie "One heartbeat, one love", dem mit härteren Beats flirtenden "In the arms of unconsciousness" und dem erschütternden "End of an end" zwar Welten liegen, aber doch das Kunststück vollbracht wird, Wege zwischen diesen Eindrücken zu offenbaren. "WLWYCL" bietet somit erneut ein alle Sinne berauschendes Erlebnis und eigentlich fehlen jetzt nur noch der große Erfolg sowie eine Live-Umsetzung des tollen Repertoires. (Torsten Pape)

Label Scent Air Records | 01.12.2017 | Homepage www.facebook.com/KASPERHATE/

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