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Kirlian Camera "Hologram moon"

Die italienische Band Kirlian Camera hat sich über die Jahrzehnte ihres Bestehens eine ganz eigene Nische innerhalb der dunklen Pop-Kultur erschaffen. Im Rahmen der umfangreichen Diskographie treffen gehaltvolle Atmosphären auf minimale bis bombastsiche Arrangements und kühle bis einschmeichelnde Melodien. Die Songs sind am Ende stets meilenweit von den billigen Ohrwurmregionen des Mainstreams entfernt und thematisch bewegt man sich oft in Grenzgebieten der menschlichen Wahrnehmung/Psyche, erforscht tiefe Gefühle und regt nicht selten ebensolche an. Das experimentelle Element spielt dabei ebenfalls eine große Rolle, sei es in Form vorhandener kantiger Songs oder unerwarteter Einsprengsel in jeglicher Klangfarbe.
Nun steht vier Jahre nach dem letzten Werk "Black summer choirs" sowie erfolgtem Labelwechsel das nächste Werk an und wie gewohnt ist bereits das Äußere ein absoluter Hingucker. Auf dem Frontcover wurde ein riesiges Labyrinth im Kosmos platziert und führt unweigerlich zur Assoziation mit einem UFO. Aber auch beim inneren Artwork wird die Phantasie durch sich wahlweise anordnende oder zerberstende interstellare Pixelhaufen angeregt. Spätestens in Kombination mit den Songnamen bzw. Texten eröffnet sich ein gigantischer Interpretationsspielraum zwischen hochwissenschaftlichen Thesen, Verschwörungstheorien, "Iron sky"-Ästhetik, Kryotechnik und verschmitztem Augenzwinkern.
Auf rein musikalischer Ebene bietet das Werk erneut die gewohnten Komponenten wobei der Sound im Vergleich zum Vorgänger wieder etwas glatter und im besten Sinne spaciger daherkommt. Die Gitarrenkomponente wurde etwas zurückgefahren und der Elektronik, aber auch den Streicherparts wieder mehr Platz eingeräumt. Bereits der Opener "Holograms" schmeichelt sich auf diese Art geradezu ins Ohr und die Keyboard-Orgel sowie die weitläufigen Synthieflächen, lassen streckenweise an die ersten Jahrzehnte der elektronischen Musikerzeugung denken. Eine ähnlich sanft-fließende Stilistik findet sich im späteren Verlauf auch bei den traumhaft schönen Songs "Lost islands", "The storm" oder "Eyes of the moon". Aber auch die Tanzfläche wird erneut bedient, wovon das kraftvolle "Sky collapse", das zauberhafte "Polar IHS" (beide in Zusammenarbeit mit Eskil Simonsson entstanden), das pumpende "Kryostar" oder auch "Haunted river" beeindruckendes Zeugnis ablegen. Hier hat man wirklich ein paar hochkarätige Schmuckstücke an den Start gebracht, die ein wirklich beeindruckendes Mannschaftsergebnis erzielen, das zusätzlich durch die instrumentalen Verbindungsstücke "Helium-3" sowie "Equation 01" zusammengehalten wird.
Mehr Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte sowie der inhaltlichen Substanz folgen im bald erscheinenden Artikel. (Torsten Pape)

Label Dependent | 26.01.2018 | Homepage www.kirliancamera.com

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