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Solar Fake "You win. Who cares?"

Zehn Jahre Bandgeschichte, fünf Studio-Alben sowie ein erfolgreicher Ausflug in Acoustic-Regionen - Solar Fake muss man bestimmt keinem Szenegänger mehr großartig vorstellen. Vielmehr hat sich das Projekt von Sven Friedrich in den Herzen der Fans eingenistet und in den Festival-Line-Ups kontinuierlich nach oben gespielt. Drei Jahre nach "Another manic episode" erscheint nun besagtes fünftes Studiowerk und ist in gleich mehreren Versionen erhältlich. Neben dem regulären, elf Tracks umfassenden Hauptwerk hat man die Möglichkeit, eine Doppel-CD oder auch ein limitiertes Fan-Paket mit drei CDs sowie diversen Devotionalien zu erwerben. Da dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein und wer den bisherigen Output kennt, wird erahnen, dass es auch um die Abwechslung nicht schlecht bestellt sein dürfte.
Zunächst fällt der Blick jedoch auf das Cover: Zerstörung, Apokalypse und Endzeitstimmung werden offenbar, aber auch ein Albumtitel, der gleichermaßen Resignation und Gleichgültigkeit, aber auch Wut und Hass ausdrücken kann. Jedem dürften dabei sofort Situationen einfallen, in denen es reichlich egal ist, wer am Ende den Pokal in den Händen hält... Gleich der erste Song "Sick of you" macht unmissverständlich klar, dass eine passive Einstellung zunächst nicht auf dem Programm steht, wenn es um die kleinen und großen Ungerechtigkeiten oder eben die unsympathischen Siegertypen geht. Auch "Wrong direction" und "A bullet left for you" sprechen eine deutliche Sprache und lassen den angestauten Frust frei fließen, aber hier werden obendrein andersartige Töne angestimmt, die einen stillen Rückzug oder defensive Gedanken ins Spiel bringen. Verpackt wird das alles in feine, tanzbare und melodische Electro-Klänge, die man als absolut typisch bezeichnen darf. Mit "Invisible" steht danach die erste richtige Hymne an und auch hier ist der Text mehr als hörenswert, denn der Protagonist bewegt sich zwischen verschiedenen, teils tristen, dann wieder hoffnungsvollen Gefühlen/Gedanken. Danach wechselt die Perspektive bei "Anything you want" erneut in eine Beobachterposition, wobei die erhebenden Melodien zunächst dominieren, zum Schluss jedoch wieder die Agression durchbricht. Auf den bisherigen Alben gab es immer wieder Songs, die eine Brücke zu Svens Vorgängerbands Dreadful Shadows und Zeraphine schlagen. "The pain that kills you too" ist ein solcher Track, da der Gesang hier sehr melodisch daherkommt und gemeinsam mit den Pianoklängen sowie der geschmeidigen Synthie-Phalanx eine sehnsuchtsvolle und traurige Atmosphäre entstehen lässt. Ein schöner Moment, bevor es mit "Just like this" wieder stramm in Richtung Tanzfläche geht. "Too late" könnte danach wieder eine Future Pop-Version eines tollen Zeraphine-Songs sein und "If this hope" trägt eindeutig wavig-balladeske Gene in sich und wird so manch einem Fan ein ergriffenes Seufzen entlocken. Mit dem Kracher "I don't fight back" bäumt sich das Werk noch einmal mächtig dub-und vocoderinfiziert auf, bevor "What if there's nothing" einen absolut bewegenden Abschluss markiert ("Why is it so cold, when I thought everything's okay").
Die Bonus-Disk wird danach von zwei Fremdkompositionen eröffnet, die erneut brillant ausgewählt und interpretiert wurden. "Papillon" ist das wohl ungewöhnlichste Stück im Repertoire der Post-Punker Editors, aber in der Version von Solar Fake wird der ursprüngliche Future Pop-Ansatz natürlich noch mehr auf die Spitze getrieben, so dass man sich diesem Stück und seinem treibenden Herzen schlicht ergeben MUSS. Eine Adrenalin-Spritze bekommt auch das wunderbare Archive-Stück "Fuck U" verpasst, das - von jeglichem drögen Ballast befreit - in voller Pracht erstrahlt. Nun folgt ein munterer Remix-Reigen, der von der traumwandlerisch schönen Mr.Kitty-Bearbeitung von "The pain that kills you too" eröffnet wird. Danach gibt es für "Just like this" die volle Trance-Dance-Packung im typischen Patenbrigade:Wolff-Stil bevor sich Ost+Front "A bullet left for you" zur Brust nehmen und in eine unerwartete, weil minimal brummende Form bringen. "Too late" profitiert im Anschluss von den atmosphärischen Talenten von In Strict Confidence bevor Adam Is A Girl "The pain that kills you too" einen belebenden, frischen Schwung (inklusive toller, weiblicher Gesangsunterstützung) verpassen. Der Random Starlight Remix von "Wrong direction" wirkt danach trotz guter Ansätze ein wenig konfus und dumpf, was jedoch durch die abschließende, filigrane "If this is hope"-Bearbeitung von Era Nocturna & Heavenly Creatures erfolgreich ausgeglichen wird.
Mit dem dritten Silberling "Tranquilised" wird die "Sedated"-Tradition fortgeführt und SF-Songs in einem reduzierten Akustik-Gewand präsentiert. In diesem Rahmen ist es erneut die Klavierbegleitung von Dirk Riegner, die einen Teil der neuen Tracks in einem sanften Licht erstrahlen lässt. Sieben Kompositionen wurden ausgewählt und bieten einen hoch emotionalen, intimen und friedvollen Abschluss von "You win. Who cares?" (Torsten Pape)

Label Out Of Line | 31.08.2018 | Homepage www.facebook.com/SolarFake/

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