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Deine Lakaien "Dual"

Ganze sieben Jahre sind seit dem letzten Studio-Album „Crystal palace“ des deutschen Duos Deine Lakaien vergangen. Aber die beiden Ausnahmemusiker waren nie wirklich weg und haben zwischenzeitlich mit einer Best of-Compilation sowie einer Live-Retrospektive ausgiebig das 30-jährige Bandjubiläum zelebriert. 30 Jahre, in denen ein Sound entwickelt wurde, der wahrlich seinesgleichen sucht. Die Mischung aus der unverkennbaren Stimme Alexander Veljanovs sowie den charakteristischen Klangwelten Ernst Horns hebt die Band aus der Masse hervor und wurde mittlerweile zum Alleinstellungsmerkmal. Da, wo andere Künstler jedoch stagnieren und sich auf den wohlverdienten Lorbeeren ausruhen, treibt die Protagonisten in diesem Fall eine unbändige Kreativität und Schaffenskraft zu neuen Ufern. Und so erscheint in diesen Tagen ein Doppel-Album, hinter dem sich ein spannendes Konzept (inklusive faszinierender Neuinterpretationen fremden Liedguts) befindet. Sicherlich haben bereits andere Musiker unzählige Konzept- und Cover-Alben veröffentlicht, aber in der vorliegenden Konstellation gab es das noch nicht. Die Coversongs dienten nämlich als direkte oder indirekte Inspiration für die eigenen Lieder und finden sich in ihnen als musikalische und / oder textliche Bezüge wieder. Insofern eröffnen sich dem Hörer mehrere Möglichkeiten der Annäherung an dieses wahrlich opulente Werk.
So könnte man sich zunächst einmal das Cover-Album vornehmen und an seiner erstaunlichen Bandbreite erfreuen. Die Palette reicht nämlich von Oldies wie „Dust in the wind“ (Kansas), „Lady D‘Arbanville“ (Cat Stevens) oder „La chanson des vieux amants“ (Jaques Brel) über eine klassische Komposition („Song of the flea“ von Mussorgsky) bis hin zu modernem Rock von Soundgarden („Black hole sun“) oder Linkin Park („My December“). Dazwischen werden mit Variationen von Songs von Kate Bush, The Cure, Can und Patti Smith/Bruce Springsteen weitere Genres gestreift. Alles in allem ist das eine höchst unterhaltsame Mixtur und macht im Soundgewand der Lakaien einfach nur Freude.
Man könnte aber auch mit den Eigenkompositionen beginnen, die zum Glück nicht nur aufgrund der Querbezüge funktionieren. Vielmehr sind die Verweise zumeist subtil und erlauben den Songs ein Eigenleben bzw. dem Album als unabhängiges Ganzes zu wirken. Lässt man sich vollständig darauf ein, ist es nämlich ein perfektes neues Lakaien-Album geworden, das sich klanglich durch die gesamte Bandgeschichte bewegt. Man begegnet den typischen Sounds der Anfangstage ebenso wie akustischen und experimentellen Elementen, aber auch Verbindungen zu den letzten Werken lassen sich herstellen. So werden „Because of because“, „Sick cinema“ oder „Run“ schnell zu neuen, rhythmischen Hits und Midtempo-Tracks/Balladen wie „In your eyes“, „Snow“ und „Someone to come home to“ erweitern auf wunderbare Weise die ohnehin schon große Auswahl im melancholisch-verträumten Repertoire.
So entspinnen sich immer mehr feine, aber tragfähige Fäden und es entsteht unweigerlich ein Netz, welches durch eine intensive Beschäftigung mit den jeweiligen Referenzen sogar noch kunstvoller wird. Jeder Durchlauf eröffnet neue Entdeckungen und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bis hin zur digitalen Vermischung beider Seiten. Der Fantasie scheinen somit keine Grenzen gesetzt, ebenso wenig wie dieser wahrlich einmaligen Band. (Torsten Pape)

Label Chrom Records/Prophecy | 16.04.2021 | Homepage www.deine-lakaien.com

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