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Retrojunkies "Computer sucht Liebe"

Das Gute liegt so nah, dachte ich mir, als die neue CD von Retrojunkies im Briefkasten lag und ich die Absenderadresse gelesen hatte. Die ist nämlich fast nur ein, zwei Dörfer weiter. Die Truppe hatte sich 2018 gegründet und live hatte ich das Trio vor ein paar Jahren in Hamburg als Vorband von Das Ich im Fundbureau leider verpasst.
Die Retrojunkies um Sänger und Producer Thomas Schulz (8BitJunkie) sowie Jenny Erdmann an den Keys plus Vocals und Iris Rufner mit den Lead und Backing Vocals aus Bassum bei Bremen kokettieren mit dem immer wieder gerne genommenen melodischen 80er Retro Elektro Synthwave, der hier mit modernen, eingängigen Synthpop-Elementen unterfüttert wird. Musikalisch huldigen sie also dem Lebensgefühl der guten alten 80er Zeiten, was auch so ganz in meinem Sinne ist. Denn der unbeschwerte Zeitgeist von früher kann gerade heute wahrlich noch begeistern, wer wird denn nicht gerne an seine jugendliche Vergangenheit erinnert?
Wer z.B. auf Gruppen wie Welle: Erdball, De/Vision, Paso Doble, Hertzinfarkt, She Hates Emotion, Dynamic Masters, Melotron, Blutengel, Plastic Autumn, Purwien, Condition One und anderen Verdächtigen aus der Ecke steht, sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren.
Allein der Track „Wir Kinder der 80er“ spiegelt textlich schön komplett die Zeiten wieder, in denen viele aufgewachsen sind, die auch heute noch solche Bands hören, die aus der Dekade entstanden sind, aber auch „Dein Paradies ist hier“ und „Computer sucht Liebe“ feat. Liss Eulenherz haben durchaus den Charme eines clever komponierten und kompakt dargestellten Poptracks der modernen Art.
Überhaupt sind fast alle markanten Tracks gut tanzbar produziert und sehr harmonisch umgesetzt worden, hier ist eine permanente Weiterentwicklung zur ersten Veröffentlichung „Neuland1.0“ gut erkennbar. Auch überzeugen mich die mal ernsten, dann wieder melancholisch traurigen oder auch hoffnungsvoll vorgetragenen Texte der Combo und im Übrigen stieg die CD sofort nach Veröffentlichung auf Platz 3 der Deutschen Alternative Charts ein. Zudem sind die Drei große Fans vom „Herbergsvater“ und NDW-Kult-Ikone Joachim Witt, von daher kann man erahnen, woher die  Retrojunkies ihre dunkelromantische Ader für ihre Soundausrichtungen und Texte her haben.
Auch die vier Remixe am Schluss der Platte von Frozen Plasma, Hertzinfarkt, ES23, TOAL sind sehr gelungen und lassen die Tracks in einem anderen Licht erscheinen. Das Booklet mit allen Texten samt Bandaufkleber macht auch Spaß. Die 15 Tracks mit einer Spielzeit von 65 Minuten sind ein großer Tipp für alle Synth Pop- und Electro-Retros, hier mal reinzuhören. (Sven Hauke Erichsen)

Label Zoundr | 20.11.2020 | Homepage www.retrojunkies.de

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