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V▲LH▲LL "Neversleep"

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt von der Schlaflosigkeit zum ewigen Schlaf. So geschehen beim neuen Album des schwedischen Duos V▲LH▲LL, genauer gesagt von dessen Titel hin zum ersten Song „Eversleep“. Musikalisch gesehen wird hier ein kleines, gespenstisches Schlaflied geboten, das von mächtigen, elektronischen Klanggebilden, filigranen Einsprengseln sowie einer charismatischen Frauenstimme getragen wird. Mit „Drown below“ bewegt sich die Mischung der Klänge danach in düstere Witch House / Industrial-Gefilde bis man nicht mehr weiß, was vorwärts und was rückwärts abgespielt wird. Beim nun folgenden „Slithering“ und dem scheinbar unschuldigen Vortrag des dunklen Textes überquert man die Grenze zum Reich des Spuk-Kinderliedes, wo man auch mit dem wavig-beschwingten Galgenlied („Down by the gallows“) vorerst verbleibt. Erstmals im Verlauf kommt hier der männlich Gesang zum Einsatz, wobei die Grabestiefen, die man auf den Vorgänger-Alben fand, (noch) nicht erreicht werden. Vielmehr gewinnt die geschmeidige, weibliche Stimme immer mehr die Oberhand und mit „Inside of me“ landet man endgültig auf der Wave-Pop-Welle. Bevor es jedoch allzu zuckrig wird, brummen sich „Crown of bones“, „For the crows“ und „Plague ship“ ins Gehör, wobei endlich auch der Männergesang wieder Kurs auf die Magengegend nehmen kann. Letztgenannter Song besticht zudem durch dramatische Streicher und hypnotische Sirenen-Vocals. Das tonnenschwere „The search“ sowie das teils verspielte, teils ekstatische, teils hymnenhafte „Detention of Miskatonic“ beschließen das wahrhaft abwechslungsreiche Werk. Trotz aller erneut recht verqueren Klanggebilde geht das Duo durch die wiederkehrenden Refrains und lieblichen Melodien mehr als je zuvor eine unheilvolle Allianz mit der Pop-Welt ein. Gibt es den Begriff Witch-Pop schon? Hier passt er jedenfalls zu 100 Prozent. (Torsten Pape)

Label Artoffact | 03.09.2021 | Homepage www.facebook.com/vxlhxll

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