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Kælan Mikla "Undir Köldum Norðurljósum"

Unter Berücksichtung der musikalischen Entwicklung innerhalb der ersten Alben und den neuen Singles, ist es keine Überraschung, dass diese Veröffentlichung der Band die bisher eingängiste ist. Dies ist aber in keinster Weise ein Manko sondern ein großer Wurf. Denn der wesentliche Grund ist, dass die drei Musiker*innen sich handwerklich immens gesteigert haben.
Die Synths von Sólveig Matthildur sind facettenreicher und stärken die neuen Kompositionen durch eine Vielzahl an sphärischen und natürlicheren Sounds die stilistisch, wie ihr Background-Gesang, eher im Dream-Pop, New Age oder den Klangteppichen der New Wave Ära verankert scheinen als in der düsteren Kälte der alten Songs.
Diese zieht sich dennoch an einem schwarzen Faden durch alle Lieder und liegt an dem prägnant gespielten Moll-Bass von Margrét Rósa der allem seinen rhythmischen Stempel aufdrückt. Sei es nun das episch wuchtige "Sólstöður", das jetzt schon auf jeden "Gothic Club Classics"-Sampler gehört oder die zerbrechlich neuen Juwelen "Óskasteinar" oder "Stormurinn" deren reale Flötentöne ordentlich wohlige Schauer über den Rücken rieseln lassen.
Auf gewohnte Ohrwürmer im Stil des letzten Albums "Nótt eftir nótt" wird trotzdem nicht verzichtet, so locken "Örlögin" und "Halastjarnan" sofort zum Tanzen und Mitsingen und Isländisch lernen, denn die Texte der Band sind durchaus ein wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzept, egal ob sie verstanden oder in der Übersetzung nachgelesen oder/und erstmal nur als zusätzliches Instrument wahrgenommen werden.
Und dies ist die dritte deutliche Steigerungskomponente, denn außer dem überwiegend in Spoken Word gehaltenen "Svört Augu" an der Eingangspforte, ist diesmal der Gesang von Laufey Soffía durchgehend auf einem melodischen Level und das war und ist immer noch enorm ausdrucksstark. Da schwebt bei manchem Liedgut wie "Ósýnileg" oder "Sírenur" durchaus eine Brise Shoegaze oder in ihrem Fall Barefootgaze durch die Luft.
Auf die Erde starren Kælan Mikla allerdings selten auch wenn sie viel Schaffenskraft aus ihrer Naturverbundenheit absorbieren. Im Gegenteil, sie sind dafür bekannt auch mal über den Tellerrand zu schauen und scheuen sich nicht, mit Vertretern*innen anderer Genres zu touren. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist die fesselnde Hymne "Hvítir Sandar" mit Alcest entstanden.
Abgeschlossen wird das Werk mit dem akkustisch folkigen "Saman" und das wärmt Herz und Seele noch ein letztes Mal auf und leuchtet auf weitere stilistische Abwechslung in der Zukunft.
Abschließend kann ich berichten, auch ohne verzaubernde Schreie aus der Vergangenheit, ist es unter den kalten Nordlichtern einfach märchenhaft und fesselnd zugleich. (Frank Stadtler)

Label Artoffact | 15.10.2021 | Homepage www.kaelanmikla.com

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