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Thorsten Quaeschning "AMA (Japanese Pearl Divers )"

Äußerst produktiv ist auch Thorsten Quaeschning in diesen irren Zeiten wieder mal, aber als Mitglied der legendären Tangerine Dream aus Berlin ist das fast Standard und nicht verwunderlich, war doch Ex-TD-Mastermind Edgar Froese ebenfalls ein Mann von vielen Veröffentlichungen. Diese Tradition hat Thorsten bisher schon mit TD und seinen vielen Solowerken sowie seiner Band Picture Palace elegant weitergeführt. Natürlich vergessen wir auch nicht die jüngste "Behind Closed Door Sessions"-Serie, die Thorsten mit großartigen Musikpartnern eingespielt hatte, u.a. mit Schiller. Der neueste Streich mit sieben experimentierfreudigen Songs und fulminanten 76 Minuten Spielzeit im vierseitigen Papersleeve bezieht sich nun sogar auf ein authentisches Tanztheater und ist mit dem Arbeitstitel „Ama“ benannt. Es geht thematisch um die Traditionen der japanischen Perlentaucherinnen, die tatsächlich einer immer noch geltenden und Jahrtausend langen, alten Geschichte frönen, nämlich ohne technische Hilfsmittel und sogenannter „Taucherlunge“ (Atemgerät) eben diese Perlen und Muscheln aus den dunklen Tiefen des Ozeans emporholen und dabei leider auch ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Zudem sind die Meere bekanntlich dank massiver Umweltverschmutzung aktuell sehr bedroht, zudem ist das Perlentauchen im übrigen ein Lebenstraum vieler junger Japanerinnen. Choreografiert wurde die Tanztheaterproduktion übrigens von Yoriko Maeno.
Die Sounds zu dem Tanztheater-Abenteuer von Thorsten klingen dann auch wie das Abtauchen im glitzernden Wasser nach Perlen und lassen die Taucherinnen im Ambient-Klangkosmos buchstäblich eins werden mit dem Meer und man fühlt sich als Hörer an ähnliche Protagonisten wie Biosphere, Johann Johansson, Michael Garrison, JM Jarre, Christian Löffler, Nils Frahm, Motschmann Trio, Schiller (instrumental), Neuland, Brian Eno und anderen Künstlern aus der Instrumental/ Fimscore Richtung erinnert.
Der Opener "Der Leuchturm in der schwarzen Strömung" gefällt sich im hypnotisch, stetig steigenden Wirbelsturm von soundtrackartigen Klanggebilden, ein gewaltig mächtiger und anrollender Wall of Sound rauscht mit voller dynamischer Wucht heran, ein wahres Sequencerfeuerwerk, das seine kreativen Stärken sofort offenbart und zum Ende hin sanft ausläuft. In "Blauer Horizont, blaues Meer" kommt es einem dann wie ein keyboardsphärischer Tauchgang abwärts in das Abenteuer der Muschel- und Perlensuche vor, die Arrangements der Synthies in dem Track gleiten in einem atemberaubenden Spannungsbogen dahin. Auch "Jetzt und hier" und "Nieselregentropfenregen" ergießen sich in betörenden und rhythmischen Klangreisen mit wahrhaftiger Erhabenheit des Augenblicks, einfach traumhafte und melodische Klangwolken. Besonders hervorheben möchte ich ebenfalls "Den ganzen Tag: Schönwetterwolken" (mit JÜRGEN Maeno komponiert) und "Nachttauchgang am verheirateten Felsen", denn hier wird es schwebend spährisch mit harmonisch wundervollen Passagen, die mich teils an Tangerine Dream erinnern. Das Finale mit "Aus der Stille in das Licht" könnte fast das Auftauchen der Protagonistin von einer erfolgreichen Perlensuche darstellen, dieser Song mit seiner atmosphärischen Aura lässt Raum und Zeit gänzlich verschwinden. Großartige elektronische Musik für das Kopfkino, die hier wieder entstanden ist. Ich denke, dass uns Soundtüftler Thorsten Quaeschning noch so einige Platten in dieser Dimension kreieren wird. (Sven Hauke Erichsen)

Label Protanopia | 23.07.2021 | Homepage www.thorstenquaeschning.com/

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