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Vampyrëan "The hunger"

Es war anno 1993 als die britische Band Nosferatu mein kleines, dunkles Herz im Sturm eroberte und ihr Debüt „Rise“ zählt bis heute zu meinen Allzeit-Favouriten des Gothic-Rocks. Einer der damaligen Songschreiber war Bass-Bediener Vlad Janicek, der die Truppe jedoch kurze Zeit später verlassen sollte. Seine Spur verliert sich fortan und erst 2019 stieg er aus seinem Grab empor, um bei der finnischen Kultband Two Witches erneut den Bass zu bearbeiten. Zu keinem Zeitpunkt hätte man jedoch geahnt, dass der dunkle Baron jemals ein eigenes Album auf die Beine stellen sollte. Nun ist jedoch genau das geschehen und die elf Tracks warten sogar mit prominenter Unterstützung auf. Im Gesangsbereich wären u.a. Chris Pohl (Blutengel), Elisabeth Kotronia (EnGarde) und Aaron Stainthorpe (My Dying Bride) zu nennen und an den Drums sitzt zudem Jon Siren, der schon bei Dismantled, Psyclon Nine oder auch IAMX die Stöcke geschwungen hat.
Ein Blick auf das Cover sowie die Songtitel lässt schnell erahnen, dass sich dieses tiefschwarze Werk einmal quer durch die düsteren Klischees hangelt und jeden untoten Mythos eindringlich mit Schwarzlicht beleuchtet. Werwölfe, Vampire, die Blutgräfin Elizabeth Bathory, Serienmörder, Rabengekrächze – hier ist alles dabei, was das Genre so hergibt. In musikalischer Hinsicht wird der dunkle Reigen dabei herrlich goth-rockig untermalt und könnte so auch problemlos aus den 80ern oder frühen 90ern stammen. Leider gilt das auch für die Produktionsqualität, die für heutige Maßstäbe reichlich blutleer ausgefallen ist. Zudem schiebt sich der Gesang viel zu oft dominant über die schönen, aber letztendlich viel zu leisen Akkorde und Melodien. Ich fordere somit eindringlichst Gleichberechtigung für die Gitarre und generell mehr Durchschlagskraft auf allen zukünftigen Produktionen bzw. remasterten Neuauflagen!
Gen Ende des Werkes wartet übrigens noch ein Highlight. „Watch me bleed“ stammt ursprünglich vom grandiosen Tears For Fears-Debüt „The hurting“ und ging dort neben den Überfliegern „Mad world“, „Change“, „Pale shelter“ oder „Suffer the children“ leider immer etwas unter. Nun greift Herr Janicek diese Nummer auf, erkennt ihre gotische Seele und holt sich mit Sven Friedrich (Solar Fake, Zeraphine, Dreadful Shadows) prominente und hochkarätige Unterstützung hinter‘s Mikro. Das könnte im zweiten Leben doch glatt zum Szene-Hit reichen bzw. im dritten Leben, denn auch dieser Song könnte eine Neuabmischung vertragen.
Somit wird auf diesem schaurig-schönen Werk zu viel Potential verschenkt, was die Bewertung leider nach unten - wenn auch nicht in absolute Grabestiefen - zieht. (Torsten Pape)

Label Raven Music | 29.10.2021 | Homepage www.vampyrean.com

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