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Deine Lakaien "Dual+"

Etwas mehr als sieben Monate sind seit der Veröffentlichung des eindrucksvollen Doppelalbums „Dual“ vergangen, da legen Deine Lakaien eine Fortsetzung auf den potenziellen Gabentisch. Das kleine Plus am Ende macht die Verbindung deutlich und regt sofort zum Nachdenken an. Manch einer mag an die Resterampe denken, der andere übt sich in Addition (2CDs+1CD=3CDs) und wahre Fans schwelgen in Erinnerungen an das Mini-Album „2nd star“. Letzteres wurde nämlich 1991 in recht ähnlichem Abstand dem Kultalbum „Dark star“ hinterhergeschoben und bewies damals bereits, dass die Lakaien im Nachgang stets hochwertiges Liedgut in petto haben.
Zehn Tracks sind es letztendlich geworden und bereits der Opener „Cradle song“ nimmt den Hörer wohlig in den Arm und glänzt mit zarten Klängen sowie einem typisch samtigen Gesang von Alexander Veljanov. „Nightfall“ tritt danach schon etwas lauter auf, zählt aber ebenfalls zu den eingängigen Kompositionen des Duos. Im Anschluss wird an das Konzept des Hauptwerkes angeknüpft, denn mit „Set the controls for the heart of the sun“ erklingt die erste Coverversion. Das Original findet man auf dem zweiten, im Jahr 1968 veröffentlichten Pink Floyd-Album „A saucerful of secrets“ und die vorliegende Version ist ein schöner Hybrid aus der ursprünglichen Fragilität sowie der Dunkelheit der Lakaien. Mit der Eigenkomposition „Self-seeker“ nimmt das Album endgültig Fahrt auf und ergeht sich teilweise in geradezu hektischem Vortrag. Mit der zweiten Version von „Run“ kehrt jedoch alsbald die Harmonie zurück und ermöglicht ein erstauntes Schwelgen angesichts des veränderten Eindrucks, der hier entsteht. Im Anschluss folgt eine weitere, erneut überraschende Coverversion, denn Ernst Horn kleidet R.E.M.s „Losing my religion“ in ein wunderbar elegisch-meancholisches Klaviergewand und die Vocals wechseln zwischen traurigem bis kraftvollen Timbre. Grandios! Bei so viel Wohlklang kann der nächste stilistische Bruch natürlich nicht weit sein und richtig, Devos „Mr. DNA“ rüttelt mit seinem experimentellen, teils atonalen Charakter ordentlich am Nervengeflecht. Nun erwartet den Hörer mit „Altruist“ ein wahrlich (alp-)traumhafter Song mit traurigem Text bevor mit dem klappernden „Fork“ eine Erinnerung an Cans „Spoon“, das sich auf „Dual“ befand, wachgerufen wird. Am Ende kehrt man zurück zum Ursprung, den Michail Glinkas „Wiegenlied“ (in Russisch vorgetragen!) schlägt eine sanfte Brücke zum Eröffnungssong.
Fazit: Mit „Dual+“ wurde das Konzept von „Dual“ aufgebrochen, jedoch nicht vollständig aufgegeben. Dadurch wird erneut ein stimmungsvoller und abwechslungsreicher Spannungsbogen geschaffen, ohne dass jemals Langeweile aufkommt. (Torsten Pape)

Label Chrom Records/Prophecy | 26.11.2021 | Homepage www.deine-lakaien.com

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