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Laudanum

"Leider sind wir Perfektionisten hinsichtlich der musikalischen Details!"


Bereits im Jahre 2003 hatte ich das Vergnügen, ein Interview mit der deutschen Band Laudanum führen zu dürfen, und gern erinnere ich mich an das nette Gespräch. Anlass war damals das großartige, zweite Album "Blinded" (das Debüt "Ijon Tichy" erschien 1997). Nun steht nach sieben Jahren der Nachfolger "Beyond the doctrine" in den Startlöchern und bietet einen wahren Hörgenuss. Elf liebevoll ausgearbeitete Songperlen versetzen Freunde wave-poppiger Klänge in sofortige Verzückung. Die beiden musikalischen Köpfe Carsten Drescher und Stefan Ouwenbroek standen erneut Rede und Antwort.

 
Interview: Torsten Pape //   
 

S. Ouwenbroek und C. Drescher: Gitarrenelemente, die an The Cure erinnern, aber Laudanum sind

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10 Seiten Laudanum in
BODYSTYLER #40
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»Wir nehmen uns die Studiozeit, die wir brauchen und nicht die, die das Budget zulässt!«

Bis 2037 auf jeden Fall wieder ein Album
 
 
 

Laudanum
"Beyond The Doctrine"
Sieben lange Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zum wunderschönen Album „Blinded“ das Licht der Welt erblickt. Die lange Tragezeit hat sich jedoch gelohnt, erstrahlen die elf Songs doch in einem nahezu perfekten Glanz. Auf synthetischem, mal atmosphärischen, mal beschwingterem Unterbau entfaltet sich eine Mischung aus wohlig wavigen Gitarren, sorgsam ausgewählten Soundschnipseln und Filmsamples sowie einer sehr angenehmen Männerstimme. Alles hat eine Bedeutung, nichts erscheint überflüssig und es macht einfach Spaß, den vielen Details seine Aufmerksamkeit zu widmen. Man kann sich auf dieser stimmungsvollen, oft melancholischen Musik aber auch einfach nur treiben lassen. Bin dann mal wieder weggetrieben. (Torsten Pape)
VÖ: 26.11.10 // Formalhaut


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enn Ihr Euren Rhythmus beibehaltet, werdet ihr 2037 Euer sechstes Album veröffentlichen. Habt Ihr Euch schon mal über dessen Namen Gedanken gemacht oder ist es dafür noch zu früh?
Carsten Drescher: 2037? Da sind wir ja bestimmt schon fast 50 oder so (lacht).
Stefan Ouwenbroek: Die Albentitel haben wir schon bis zum neunten Release festgelegt, sind aber alle top secret, also einfach abwarten.
Drescher: Also ganz so träge sind wir bei Laudanum eigentlich gar nicht. Du hast absolut Recht, dass „Beyond the Doctrine“ das dritte CD-Album von uns ist, aber 2006 waren wir richtig fleißig und haben einige Digital-Veröffentlichungen gemacht: Zum einen den Sampler „Do electric sheep dream of Androids?“ mit insgesamt zwölf verschiedenen Electro-/ Synth Pop-Künstlern. Mit Laudanum haben wir dort übrigens den Silent Edit Remix von „Breaking down“ beigesteuert. Zum anderen gab es das Album „Demoscope“ mit Demo-Aufnahmen von vielen bis dahin unveröffentlichten Laudanum Songs. Ehre, wem Ehre gebührt (lacht).
BODYSTYLER: Nachdem Ihr bereits mit Olaf Wollschläger und Thomas Elbern als Produzenten zusammmengearbeitet habt, entstand das neue Album in vollkommener Eigenregie. War die Zeit reif?
Ouwenbroek: Zum einen war die Zeit reif, zum anderen wollten wir uns die Studiozeit nehmen, die wir brauchen und nicht die, die das Budget zulässt. Dadurch konnten wir an allen Stücken so lange arbeiten bis es 99% passte - 100% geht ja leider nicht. Der Nachteil ist natürlich, dass man manchmal kein Ende findet und dann wird es unter Umständen anstrengend. Aber das nächste Album kommt definitiv nicht in sieben Jahren raus - vielleicht ja früher… oder später? Je nachdem (lacht).
BODYSTYLER: Manchmal hat man das Gefühl, dass Eure Songs ganz fragile Gebilde sind. Es wirkt fast so, als ob ihr die zarten Klänge mit der Pinzette sanft platziert hätte. Wisst Ihr, was ich meine? Talk Talk hatten auch solche Songs, obwohl da auch viel improvisiert wurde. Spielen Improvisationen bei Euch eine Rolle? Wie kommt es zur Auswahl der Instrumente und wie wird die Entscheidung über ihren Einsatzort getroffen?
Drescher: Talk Talk - da knien wir erstmal nieder. Nun zur Frage: Improvisationen gehören natürlich stets zum kreativen Entstehungsprozess eines Songs. Wenn sich die ersten Ideen zu einer Struktur verdichten, probieren wir verschiedene Sounds aus und drehen an allen möglichen „Schräubchen“. Was bei Stefan und mir einfach sehr gut klappt, ist das nahezu blinde Verständnis, wenn es darum geht, die Songs jeweils in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Leider sind wir Perfektionisten hinsichtlich der musikalischen Details. So kam es bereits häufig vor, dass wir aus unserem Umfeld, nach dem Vorspielen der zu 90% fertigen Songs, das Feedback bekamen: „Hey super – ist doch fertig. Jetzt aber nix mehr ändern, oder?“ Ohne Sch...., für die letzten 10% haben wir bei „Beyond the Doctrine“ mehr als ein Jahr gebraucht! Wir regen uns zwar selber auch darüber auf, aber was willste machen? Also noch mal zurück zu Deiner Frage bezüglich fragiler Gebilde und zarter Klänge: Die eben beschriebenen letzten 10% der Produktion machen es wahrscheinlich aus, dass man eine größere Klang- und Soundvielfalt wahrnehmen kann.
Ouwenbroek: Die Auswahl der Instrumente passiert ganz unterschiedlich: Meist sind erst die Harmonien und Melodien da und beim Improvisieren wird schon der erste halbwegs passende Sound gesucht. Manchmal geschieht es dann, dass nur durch das Ändern des Sounds - egal ob Gitarre, Drums oder Synths - der Song eine ganz neue Farbe bekommt und sich plötzlich alles "richtig" anhört. Umgekehrt kann es ebenso sein, dass der Klang eines Instrumentes einen erst dazu anregt, in einer bestimmten Art und Weise zu spielen und dadurch neue Ideen entstehen. Spontan fällt mir dazu die orientalische Melodie bei unserem Song "Merhaba" von unserem letzten Album "Blinded" ein.
BODYSTYLER: Auf "Blinded" habt ihr bei zwei Songs weiblichen Gesang eingesetzt. Jetzt ist dieses Stilmittel viel präsenter. Warum wurde die Quote gesteigert? Haben die Mädels sich aufgedrängt? War da ein Frauenbeauftragter am Werk?
Drescher: Da sind wir wieder bei den letzten 10% der Produktion. Hier haben wir letztlich auch alle Vokal-Parts festgelegt, also wer singt welche Songs, Choreinsatz - ja oder nein, Chorzusammensetzung usw. Die Mädchen haben Ihr Bestes gegeben, deshalb haben sie es auch in mehrere Songs geschafft.
BODYSTYLER: Der Songtitel "Touching from a distance" lässt recht schnell Gedanken an "Transmission" von Joy Division" bzw. die gleichnamige Biografie von Ian Curtis denken. Inwiefern hat beides eventuell sogar eine Rolle gespielt? Was sagt die Dame am Ende eigentlich vorwärts gesprochen?
Ouwenbroek: Yes, das hast Du richtig bemerkt. Der Track war fertig und wir hatten keinen Titel. Auch wenn er stilistisch nicht an Joy Division erinnert, ist die Band natürlich ewige Inspiration. Irgendwie hatte ich beim Hören des Songs immer nur Schwarz/Weiss-Bilder im Kopf. Und dann kommen diese merkwürdigen Verknüpfungen in der Art: Schwarz/Weiss - Foto - Joy Division - Graustufen - Corbijn - die Biographie. Da war es nur noch ein kleiner Schritt und wir wussten: Der Song muss so heißen.
Drescher: Die Dame am Ende spricht rückwärts? Ist uns noch gar nicht aufgefallen (lacht).
BODYSTYLER: An ein paar Stellen zollt Ihr recht eindeutig den Gitarrenklängen von The Cure Tribut ("Oceandrive","Touching from a distance"). Auf "Blinded" war das ja noch etwas versteckter (z.B. "Tomorrow"). Warum war Euch dies jetzt noch mehr ein Bedürfnis?
Drescher: Unser echtes Bedürfnis bei der Realisierung des Albums war einfach, mit großer Freiheit unsere künstlerischen Ergüsse verwirklichen zu können. Zu den Gitarren: Also, ich denke, dass die Gitarrenparts als Ganzes im Song kein typisches Cure-Bild ergeben. Einzelne Teile oder Sounds hätte Robert Smith vielleicht auch ähnlich spielen wollen, aber sicher nicht genau wie bei Laudanum.
Ouwenbroek: The Cure sind natürlich auch so eine Band, an der man nicht vorbei kommt. Für mich ist "Disintegration" wahrscheinlich das beste Album, das ich kenne - und das bleibt nicht ohne Einfluss. Was Carsten meint, kann ich trotzdem unterschreiben. Es gibt Gitarrenelemente, die an The Cure erinnern, aber die Songs sind Laudanum.
BODYSTYLER: Woher kam die Idee, das Piano – wie in "Helpless" geschehen – mehr als Rhythmus-Instrument einzusetzen? Finde ich übrigens sehr gelungen und spannend.
Ouwenbroek: Das ist ganz einfach: Das Piano war das Grundelement von "Helpless", also die erste Idee, auf der sich alles andere aufgebaut hat. Wir fanden´s wohl auch ganz spannend.
Drescher: Bereits auf unserem Debüt-Album „Ijon tichy“ gibt es den Titel „Just one“, bei dem wir das Piano auch schon sehr präsent und perkussiv eingesetzt haben. „Helpless“ lebt insgesamt von der Dynamik, denke ich, und da ist ein treibendes Piano einfach perfekt.
BODYSTYLER: Trinken oder Fressen die Kühe auf dem Cover eigentlich? Von welcher Modelagentur habt Ihr die Schönheiten casten lassen?
Ouwenbroek: Also das Casten hat der Carsten übernommen.
Drescher: Das mache ich schon, seitdem ich im Sandcarsten gespielt habe.
Ouwenbroek & Drescher (singend): 1, 2 oder 3, du musst Dich entscheiden, drei Felder sind frei - ob die Kühe trinken oder nicht, sagt Dir gleich das Licht. (lachen)
BODYSTYLER: Erzählt doch bitte etwas über Euer Label Formalhaut, das gerade mal fünf/sechs Releases vorzuweisen hat. Ist es für jeden offen? Wer darf mitspielen? Was könnt ihr über die beiden Bands Livida und Panama Radio berichten?
Ouwenbroek: Die Gründung des Labels Formalhaut Records geschah damals eher aus der Not heraus. Nachdem wir mit Laudanum 2001 bereits einen Vertrag für drei Alben unterschrieben hatten und das heutige Unheilig-Management auch das Laudanum-Management übernehmen wollte, kam dann alles ganz anders. Soll ich das wirklich alles erzählen? Hmmmm, …?
Drescher: Na gut, dann erzähle ich mal weiter. Also, zwei Songs für das Album "Blinded" hatten wir bereits bei Olaf Wollschläger produziert, als wir den Anruf bekamen, dass unser Label TCM Insolvenz anmelden musste. So standen wir sozusagen über Nacht "nackt im Wind". Kurzentschlossen nahmen wir alle Dinge selber in die Hand und gründeten Formalhaut Records. Grundsätzlich kann dort jeder Künstler mitmachen, der musikalisch unseren Nerv trifft. Die Veröffentlichungen von Livida und Panama Radio sind jeweils eine Kooperationsarbeit mit befreundeten Bands. Ich habe hier den Vertrieb und einen Teil der Promoarbeit übernommen. Künstlerisch sind beide Alben mit 100%iger Gestaltungsfreiheit der Bands realisiert worden. //



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