Matt Howden

"R2-D2 ist ein ein nervender Haufen Scheiße!"


Bei einem Dokumentarfilm über Roboter erwartet man nicht unbedingt im Hintergrund fröhliche Fidelklänge zu hören - schon eher kaltes, elektronisches Gewummer. Doch auch wenn der Komponist Matt Howden durch zarte Töne bei seinem Projekt Sieben oder bei Sol Invictus-Gastauftritten bekannt ist, hat er schon immer ein Bezug zu Maschinen gehabt, was seine endlosen Geigenloops beweisen. Fragen wir ihn doch mal selbst nach seinem Bezug zu diesem Film.

 
Interview: Spider //   Foto: Denzel Watson //   
 

Matt Howden beim Kreiren seines eigenen geloopten Wahnsinns

 



 
 

»Er erkannte nicht, dass Sieben und Matt Howden ein und dasselbe Ding sind, das war ziemlich amüsant, weil er mich fragte, ob ich Matt Howden kenne!«

Howden über den Erstkontakt mit dem Regisseur von „Robot World“
 
 
 

MATT HOWDEN
"Robot World - O.S.T."

Die magische Geige von Matt hat eine neue Aufgabe. Diesmal nicht in heidnischen Gefilden, wie bei seinem Projekt Sieben, oder als Gast bei Sol Invictus. Nein, sie hilft bei der Instrumentierung eines Dokumentarfilms über den Werdegang von Robotern. Es ist nicht ganz einfach etwas über einen Soundtrack zu schreiben, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Die Musik an sich ist wunderschön. Die träumerische Violine wird in atmosphärische Loops gepackt und von einem dezenten Pianospiel umrahmt. Dabei kommen mir nicht unbedingt stählerne und technoide Wesen in den Sinn. Aber in dem Film geht es um Evolution, vom mechanischen Somnabulisten bis zum autonomen Sensorium. Und dazu scheint die Musik perfekt zu passen. Bis zum Erscheinen des Films wird diese CD mich sicher noch einige Male auf der Couch erfreuen. Ob ich dabei immer an metallische Greifarme denke, weiß ich nicht. Ich werde aber sicherlich sehr entspannt sein. (Spider)
VÖ: 06.06.11 // Redroom Records

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

eine Kompositionen für den Dokumentarfilm „Robot World“ sind sehr warm und atmosphärisch. Lässt dasdarauf schließen, dass hier nicht nur die emotionslose und nutzbringende Seite von Robotern aufgezeigt wird?


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Matt Howden: Der Regisseur Martin Hans Schmitt kam auf mich während einem Sieben-Konzertes in München zu. Seine Idee war, das mechanische (die Roboter) mit dem natürlichen - ein akustisches und ausdrucksvolles Instrument wie die Geige - zu vermischen. Das taten wir. Persönlich hätte ich es vorgezogen, Musik zu machen, die deutliche Loop-Sounds hat: Gespielt auf einem natürlich-klingenden Instrument, der Geige, aber mit einer mechanischen Umrahmung. Das würde dem "natürlichen" widersprechen, es aber wie das mechanische widerspiegeln. Die Vision von Herrn Schmitt war etwas anders, so nahm ich "Robot World" auf eine natürlichere Art und Weise mit Geigen, Bass und Klavier in Angriff. Ich schmuggelte trotzdem etwas von meinem Loop-Stil an dem einen oder anderen Punkt ein.

Da grinst sich der Matt Howden verschmitzt einen ins Fäustchen und wir sind begierig auf mehr Details.
BODYSTYLER: Wie sah seine Ansprache an Dich im Detail aus und kannst Du uns sagen wann der Film veröffentlicht wird?
Howden: Es war ein freundliches Schwätzchen, als wir uns nach meinem Konzert trafen. Tatsächlich erkannte er nicht, dass Sieben und Matt Howden ein und dasselbe Ding sind, das war ziemlich amüsant, weil er mich fragte, ob ich Matt Howden kenne. Der Film ist zurzeit im Internationalen Filmfestspiele-Rundlauf und wird danach veröffentlicht. Es ist ein Dokumentarfilm ohne Worte, nur Bilder und Musik.

Der geneigte Leser mag sich mehr Informationen zum Film holen unter MartinHansSchmitt.com
Wir hüpfen zur nächsten Zusammenarbeit.

BODYSTYLER: Du wurdest kürzlich in einem Bodystyler-Interview, dass ich mit In the Nursery führte, in höchsten Tönen für Deinen Einfluss gelobt. Wie empfandest Du die Zusammenarbeit?
Howden: Es war fantastisch, einige Streicher zu ihrem letzten Album "Blind Sound" hinzuzufügen. Ich kreierte eine Mixtur aus ihren Melodielinien und etwas von meinem eigenen geloopten Wahnsinn. Ich habe auch live mit ihnen zusammengearbeitet und Musik zu altem Filmmaterial bei einem Open Air während des ausgezeichneten Sensoria Festivals in Sheffield gespielt. Das war wirklich speziell.
BODYSTYLER: Das führt direkt zu der Frage, ob Du auch „Robot World“ mal live begleiten möchtest?
Howden: Einfach gesagt: das kann ich nicht. Es sei denn, ich lerne, Klavier, Bass und mehrere Geigen auf einmal zu spielen. Ich übe noch. Natürlich könnte ich andere Leute engagieren, diese Instrumente zu spielen, aber viele der Teile werden geloopt und auf Weisen editiert, die es nicht möglich machen sie live zu erzeugen. Es sei denn, dass ich ein Backing Tape für Teile davon verwende, aber ich würde das nicht wirklich wollen.
Backing Tape wäre ja auch geschummelt.
BODYSTYLER: Du warst früher Hochschullehrer. Hast Du viele Studenten beim Schummeln während der Prüfung erwischt? Wo sollte man seine Spickzettel keinesfalls verstecken?
Howden: Nö. Wir hatten keine solchen Prüfungen. Ich unterrichtete in einer Fortbildungsuniversität für alle über sechszehnjährigen aus der Gemeinde - häufig Leute, welche die Ausbildung beim ersten Mal geschmissen hatten. Es war mehr praktisches zum Erfahrungensammeln. Ich unterrichte Komposition und ließ meine Schüler Joy Division-Songs neu bearbeiten, ab und an auch Sieben-Songs neu arrangieren und ihre eigene Musik verwenden. Manchmal veranlasste ich sie auch, ein bisschen sonderbare Sachen zu machen, wie das Komponieren eines Werbejingles für ein lokales Teppichgeschäft, oder ein Metal-Song in einen Ambient-Song zu verwandeln. Das macht sehr viel Spaß! So kann ich nicht viel über Spickzettel sagen. Aber die Stirn und der Rücken sind jedenfalls keine guten Plätze.
BODYSTYLER: Zurück zum Spaß der Gegenwart. Kannst Du uns einen Ausblick über Deine nächsten Projekte geben?
Howden: Ich arbeite zurzeit an einer weiteren Buch- und CD-Erscheinung, einer Fortsetzung meiner "Matter of Britain". Hier platziere ich die Gedichte meines Vaters auf Musik. Mein Vater liest die Gedichte selbst zur Musik. Dieses Buch, mit dem Titel "Barley Top", ist eine Sammlung der Gedichte, die er für am Besten hält - sein "Best of". Ich arbeite auch am neuen Sieben-Album, das "No less than all" heißen wird. Ich habe bis jetzt sechs Lieder fertig, bin aber in viel Film- und anderer eingegangener Arbeit steckengeblieben. Ich vollendete kürzlich die Musik für einen einstündigen Dokumentarfilm der BBC genannt "Dambusters Declassified". Und ich habe an der Musik für die beschlossene TV Serie “Where Her dreams End' gearbeitet. Ich bin scharf darauf zum Sieben-Album zurückzukommen, um es zu beenden.

Bei soviel Arbeit ist sicher Hilfe vonnöten was uns wieder zum Ursprungsthema zurück bringt.
BODYSTYLER: Welche Roboter helfen Dir in Deinem täglichen Leben? Welche sollten für Dich noch erfunden werden?

Howden: Ist eine Kaffeemaschine ein Roboter? Ist es ein Computer? Ich nehme Roboter im Allgemeinen als Wesen mit Köpfen, Armen und Laserkanonen wahr. Aber lass uns hier die Toaster, preiswerten PCs und Kaffeemaschinen dieser Welt nehmen. Wenn sie rebellieren, sind wir richtig am Arsch.
Von der Erfindung ballernder Toaster, welche bald die Welt erobern zu ein paar Roboter-VIPs, die das bereits taten.
BODYSTYLER: Zum Abschluss, Deine Meinung zu, folgenden, berühmten Robotern:

R2-D2 (Star Wars)
Howden: Schon als Kind wollte ich, dass er zerquetscht wird. Er ist ein sinnloser, piepender, ein wenig nervender Haufen Scheiße!

Maria (Metropolis)
Howden: Ich würde (zwinkert)

Marvin (Per Anhalter durch die Galaxis)
Howden: Sollte ein Goth sein

T 800 (Terminator)
Howden: Sollte ein Politiker sein. Oh warte, er war dennoch Abfall ohne die Bewaffnung, das Metall Gebiss und das Feinderkennungmissions-Blickfeld. Arnie war furchterregend. Vor dem anderen wäre ich nicht so erschrocken, hätte ich ihn gerade in getrennten Containern abgeholt. Eine Art Terminator Minisammlung in Tupperware.

Data (Star Trek)
Howden: Liebe ihn! Ich will meinen eigenen für die Gartenarbeit, das Abspülen, Einkaufen und die allgemeinen Unterhaltungsaufgaben.

Dafür haben wir unseren Bodyhorst. Allerdings drückt sich der Schlawiner immer. Na warte, dem werd ich jetzt mal die Meinung geigen. //




Homepage: MattHowden.com
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