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Neutral Lies

"Diese Art der Musik ist in Frankreich noch nie wirklich populär gewesen!"


Irgendwie hat es die Puppe im Moment mit den Franzosen. Marboss, Celluloide, Derniere Volonte und jetzt die Neutral Lies, dabei mag sie eigentlich das Land gar nicht so sehr. Aber die Bands sind echt klasse. Und da ihr das Debutalbum auch sehr zusagt, dachte die Killerpuppe Chucky, sie müsste die beiden mal anmailen und bekam überraschend intelligente Antworten zurück, die ihre noch vorhandenen Englischkenntnise fast schon überforderten.

 
Interview: Chucky //   
 

Neutral Lies: außerhalb Frankreichs wesentlich beliebter

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10 Seiten Neutral Lies in
BODYSTYLER #40
»
 
 

»Wenn es schon reicht, einen Synthi zu bedienen und zu singen, könnte man uns auch mit Modern Talking vergleichen!«

Auf den Vergleich mit Depeche Mode
 
 
 

Neutral Lies
"A Deceptive Calm"
Das Duo kommt aus Frankreich. Ein Land, mit einer riesigen elektronischen Szene, die es dort aber genauso schwer hat, wie die bei uns in Deutschland. Musikalisch erinnert das schon recht stark an die ganz frühen Depeche Mode, ohne, dass die Platte aber nun veraltetet klingen würde. Produziert hat das Ganze einer von Celluloide, der vielleicht besten Band dieses Landes im Bereich elektronischer Musik. Insgesamt sind auch die schnellen Stücke nicht aggressiv produziert, so dass das Album einigen dann doch zu soft sein könnte. Besonders in der heutigen Zeit, da die Jugend gerne stupides Gewummer hört. Für alte Menschen wie mich genau richtig, gefällt mir die CD nach mehrmaligem Hören immer besser. Zudem ist der Bandname einfach klasse. Für Oldschooler ein kleiner Geheimtipp, den es bislang aber vermutlich nur im Ausland zu erwerben gibt und ich bezweifle auch, dass diese CD in Deutschland je erscheinen wird. (Chucky)
VÖ: 28.06.10 // Boredom Product




Auf diesem Silberling findet man viel Licht, aber auch viel Schatten. Auf der instrumentalen Seite ist es hell, da ausgefeilte Synthiemelodien mit deutlicher Affinität zu den Klängen der Jungs aus Basildon oder auch Bietigheim-Bissingen (Camouflage) das Herz erfreuen. Der Schatten indes senkt sich hernieder, wenn es um den Gesang geht und der Labelname wird schnell zum Programm. Auf Maxi-Länge vielleicht noch nett, aber ein gesamtes Album darf von diesem Frontmann einfach nicht bestritten werden. Genau wie bei DSDS und Konsorten stellt sich zwangsläufig die Frage, warum niemand dem Vokalakrobaten mal rechtzeitig gesteckt hat, dass sein Stimmumfang sich im 3-Ton-Bereich bewegt. Also ab zum Gesangsunterricht oder gleich einen neuen Sänger gekauft, und dann das Album bitte noch einmal richtig einspielen, denn die Songs an sich sind toll. (Torsten Pape)
VÖ: 28.06.10 // Boredom Product


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Neutral Lies
„Commuters“
Kaum habe ich das Debütalbum der Neutralen Lügen inklusive der bescheidenen Vokalakrobatik verdaut, da schiebt das Duo prompt eine digitale Single hinterher. „Commuters“ ist sicherlich nicht die beste, aber eine durchaus gute Komposition und siehe da, auf einmal stört mich der Gesang nicht mehr. Schuld ist die Bearbeitung der genialen Signal Aout 42, denn im Breitwand-EBM-Gewand passt der limitierte Stimmumfang einfach deutlich besser. Sehr geile Version! Der zweite Remix des Titeltracks (Commuter’s Remix, hä???) nervt dafür schnell durch sein Gezirpe. So klingt ein vertontes ADS-Syndrom! „Between glasses and rewards“ im U-Mix und „SX Girls“ im Buzz-Mix (Bass-Mix?) überzeugen musikalisch durch Referenzen an frühe Anne Clark, wenn da bloß nicht die Stimme wäre. Aber ich wiederhole mich. (Torsten Pape)
VÖ: 06.12.11 // Boredom Product


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Myspace.com/NeutralLies
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

lso, was sind denn nun neutrale Lügen? Sind die nicht immer negativ?
Jeff: Die Bedeutung der neutralen Lügen ist vielschichtig. Lügen, die Konsequenzen haben, oder Lügen, die Menschen, die Du magst, verletzen. Wenn Du die Band an sich meinst, ist es eine Zusammenkunft zwischen Freundschaft und Musik.
Nick: Richtig. Neutral Lies ist eigentlich die Geschichte von 2 alten Freunden, die sich nach langer Zeit voller Höhen und Tiefen wieder entschlossen haben Musik zu machen. Neutral Lies sind ein Duo, das elektronische Musik macht, ohne sich irgendwo einordnen zu wollen.
BODYSTYLER: Hm, also für mich sind Lügen auch jetzt immer noch negativ, aber egal. Was ist denn das für ein merkwürdiges Gebäude auf dem Foto des Albumcovers?
Jeff: Das ist ein Wasserturm. Wir sind irgendwann mal durchs Land gezogen und wollten Promotionfotos machen. Er fiel uns sofort als Motiv ins Auge, auch weil er in der Mitte von Nirgends stand. Ein Gebilde inmitten poetischer und melancholischer Landschaft.
Nick: Das Cover zeigt jedem etwas anderes, was die Person eben sehen will. Ich finde, das Foto vermittelt ein sehr kühles Gefühl und ich sehe jemandem, der vom Boden aus an den Himmel schaut - an diesem Gebilde vorbei.
BODYSTYLER: Hui, das ist ja richtig philosophisch und steigert das normale Niveau unserer Interviews um ein Vielfaches, wie komme ich denn aus der Nummer wieder raus? OK, ich weiss. Ich hatte kürzlich mit Derniere Volonte gesprochen und der meinte, ihr habt eine riesige Szene, die aber keinen Menschen interessiert, zumindest nicht im kommerziellen Sinn.
Nick: Groß ist ein wenig übertrieben, sie wird größer, das stimmt. Besser als vor 20 Jahren, als elektronische Musik fast gar nicht stattfand bei uns. Diese Art der Musik ist in Frankreich noch nie wirklich populär gewesen wie bei Euch in Deutschland oder in England oder auch in Skandinavien. Aber es gibt schon ein paar Enthusiasten bei uns.
Jeff: Da stimme ich überein. Ich denke, elektronische Musik aus Frankreich ist außerhalb unseres Landes wesentlich beliebter als bei uns selbst. Wenn ich an unsere Region denke, wobei ich Belgien mal einschließe, gibt es aber
dennoch einige populäre Festivals.


Neutral Lies:
»Französich klingt sehr poetisch, aber das ist nur für Fremde so. Wir empfinden das gar nicht!«


BODYSTYLER: Member U-0176 von Celluloide hat Euer Album produziert, woher kennt ihr den?
Nick: Wir haben ihn über einen gemeinsamen Freund kennengelernt, DJ - Der Gregolini, der sehr bekannt ist in unserer EBM Szene, und der uns immer unterstützt hat. Als er unsere Demo gehört hatte, meinte er, Member ist der richtige für den Produzentenjob.
Jeff: Stimmt. Und als wir Member unser Tape geschickt haben, war er begeistert und so hat die Zusammenarbeit angefangen. Anfangs nur über das Internet und erst im April 2010 wurde dann im Studio der Mix erstellt.
BODYSTYLER: Meine Lieblingsnummer ist "Rose In My Coffin" - ist das nach einer wahren Begebenheit entstanden?
Nick: Die Rose ist ja immer ein Symbol für Reinheit, aber sie kann auch Gefühle ausdrücken für jemanden, den Du verloren hast.
Jeff: Na ja, wir sind jetzt auch keine traurigen Menschen, wir haben viel Spaß zusammen, aber oft dominiert auch die dunkle Seite und der Tod ist ein Teil dessen. Ich denke, andere Songs des Albums beruhen eher auf wahren Erlebnissen.
BODYSTYLER: Also, wenn ihr mal keine Musik mehr machen wollt, versucht es doch als Philosophen, das hättet ihr sicher auch drauf. Ihr habt auf Eurer myspace-Seite absolut geniale Schwarz-Weiss-Fotos, sehen fast aus, als hätte sie Anton Corbjin von Depeche Mode gemacht.
Nick: Schwarz-Weiss war die logische Entscheidung für den industriellen Aspekt unserer Musik und Jeff ist unser eigener Anton. Außerdem hat er Grafikdesign und Fotographie studiert, das passt dann auch wieder ganz gut.
Jeff: Ah ah ah! Ich denke, es war meine neue Digitalkamera mit manuellen Optionen.
BODYSTYLER: Jetzt mal nicht so bescheiden, die Bilder sind echt genial, wirken sehr professionell. Wo wir gerade bei Depeche Mode waren. Viele werden nörgeln, das ihr schon so ähnlich klingt wie die Mitte der 80er.
Jeff: Ich hab damit kein Problem, es ist ja schon eine Ähnlichkeit vorhanden. Aber als wir gelesen haben, das wir nur Klone sind, fanden wir das auch nicht gut. Wenn es schon reicht, einen Synthi zu bedienen und zu singen, könnte man uns auch mit Modern Talking vergleichen, oder?
BODYSTYLER: Nee, die konnten ja nicht singen.
Nick: Ich sehe den Vergleich auch nicht als Problem. Paradoxerweise wurden die am Anfang ihrer Karriere ja auch eher belächelt. Und erst 25 Jahre später sind sie absolute Superstars, sind zur Referenz für viele Musiker geworden. Es gibt auch Leute, die sagen, wir klingen nach John Foxx und Kraftwerk.
BODYSTYLER: Das sind ja nicht die schlechtesten Vergleiche, oder? Kennt ihr viele andere deutsche Bands?
Nick: Hm, momentan oder früher? Klar doch, Deutschland ist DAS Land für elektronische Musik. Ich liebe Kraftwerk, DAF, Die Krupps, Second Decay, Paranoid, Silicon Scientist, Sieg über die Sonne, L‘aventure imaginaire und mein absoluter Favorit „Der (Er)folg“ - eine wirklich geniale Band, die aber nur ein Demo Tape veröffentlicht haben, aber auch Tangerine Dream, Welle Erdball, Propaganda fallen mir ein.
BODYSTYLER: Warum singt ihr denn in englisch, französisch klingt doch viel schöner?
Nick: Gegenfrage: Wieso stellst Du die Fragen denn in Englisch?
BODYSTYLER: Weil ich kein französich kann und ihr kein deutsch.
Nick: Ach so. Ok. hmm dann muss ich meine Antwort umswitchen. Englisch ist einfach die internationale Sprache und ich war auch schon öfters in England. Viele Mädels denken auch, französich klingt sehr poetisch, aber das ist nur für Fremde so, wir empfinden das gar nicht so. Wir werden immer mal wieder einen Song in französisch aufnehmen, aber kein komplettes Album.
BODYSTYLER: So, zum Schluss nenne ich Euch Künstler, ihr liefert das Statement. Natürlich baue ich allerhand Franzosen ein.

Human League
Nick:
Eine absolute Referenz und ein riesiger Einfluss auf die elektronische Musik. Coole Vocals und absolut eingängige Melodien.
Jeff: Sind OK.

Howard Jones
Jeff
: Viele Haare...
Nick: Ja, eher Popmusik, aber abgesehen von seinem coolen Haarschnitt, waren Songs wie „Things can only get better“ und „What is love“ super, danach war es aber nicht mehr so mein Ding und driftete zu sehr ab.

Trisomie 21
Nick
: Yeah. Eine meiner französischen Lieblingsbands. Sensationell die Jungs, wenn ich nur an einen Track wie „La fête triste“denke. Ich kann dir sagen, die beiden leben in einer eigenen Galaxie.
Jeff: Dunkle Nachbarn.

Skinny Puppy
Jeff:
Sie sind immer noch präsent. Ein Teil meines Teenagerlebens.
Nick: Noch ein großer Name in der EBM Szene, sie hatten absolute Killertracks, aber alles, was sie machten, fand ich nicht gut.

Die Form
Nick
: Man sieht, du kennst dich aus. Ich mag eher ihre elektronischen Sachen als die experimentellen Dinge, habe aber einen enormen Respekt vor deren Karriere.
Jeff: Theater, Stimme und Körper.

Guesch Patti
Nick
: Ok, die ist nicht mein Ding. Irgendwas in den 80ern im Radio und TV.
Jeff: Etieeeeeeeeeenne, 1987, ein Jahr nach "Voyage Voyage" von Desireles Französische Popmusik hat eben doch ein anderes Gesicht.

Mylene Farmer
Nick
: Ihre beste Periode waren die ersten Monate, ich mag eigentlich nur ihr Debutalbum. Die Promotion und das Geheimnis, das um ihre Person gemacht wird, ist schon etwas suspekt.
Jeff: Oui mais non… In den 80ern ja. aber aber nicht mehr heute, die letzten Alben fand ich nicht mehr gut, aber ich mag ihren komplzierten Charakter.

BODYSTYLER: So geschafft. Kleine Schlussbemerkung. Beschäftigt Euch erst mal mit den Franzosen, die können zwar kein Fussball spielen, aber die Musik von denen ist echt klasse. //



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NeutralLies.online.fr
© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //
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