Noyce™

"Wir sind wohl die am stärksten unterschätzte Band unserer Szene!"


15 Jahre und kein bisschen leise: Die Jungs um Florian Schäfer drücken sich nicht nur in ihren Texten deutlich aus, der Herr und Mastermind Schäfer hat auch im Interview mit unserem werten Magazin kein Blatt vor den Mund genommen. Wieso können Interviewfragen eigentlich immer noch nicht sexuell befriedigen?

 
Interview: Pippi von Schnippi //   Fotos: Herr Buchta
 

"Jede Gelegenheit zum Feiern wahrnehmen!", Noyce™ 2011

 



 
 

»Wir sind von den Dingen, die wir machen, überzeugt und es wäre auch schlimm, wenn dem nicht so wäre!«

Florian Schäfer
 
 
 
 

NOYCE™
"Past:Ique"
Vor 15 Jahren wurde Klon-Schaf Dolly gezüchtet, Deutschland war nach einem Golden Goal Europameister und alle Welt hat zu „Children“ von Robert Miles getanzt. Damals hat sich auch die Düsseldorfer Band Noyce™ zusammengefunden, und so wie vorige Fakts zeigen, dass seitdem viel Wasser den Rhein runtergeflossen ist, so war es für die NRW-Hauptstädter Zeit für eine Retrospektive der geleisteten Arbeit.

Mit “past:ique”legen die Jungs um Sänger Florian Schäfer eine auf 1.000 Einheiten limitierte Zusammenstellung unveröffentlichter, remixter und nicht mehr erhältlicher Tracks vor, die für Fans ein Muss, für Liebhaber elektro-synthiger Klänge eine interessante Sammlungsergänzung und für Neuhörer einen guten Einsteig in die musikalische Welt der „Noycer“ darstellt. Die Songauswahl kann ebenso überzeugen wie das Mastering durch Olaf Wollschläger (Mesh, In Strict Confidence). Anspieltipps: Inschallah, Coma[tose], Comawalker, Clinical White Noise (Pippi von Schnippi)
VÖ: 01.07.11 // IN-D Records

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

arum legt ihr – anstelle eines neuen Albums- mit past:ique nun eine Art Retrospektive von unveröffentlichten, nicht mehr erhältlichen Tracks und Remixes vor? Welches Konzept steht hinter dieser Veröffentlichung?


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Florian Schäfer: Nun, in diesem Jahr musizieren wir unter dem Namen NOYCE™ schon seit 15 Jahren. Gut… nicht volljährig, aber in unserem Alter nimmt man eben jede Gelegenheit zum Feiern wahr. Aber auch durch die letzten beiden CDs „Coma“ und „Un:Welt“, sowie die Tour mit Diary Of Dreams, haben wir eine ganze Menge neuer und treuer Hörer dazu gewonnen, was wiederum verstärkte Nachfrage nach eben nicht mehr oder nur schwer erhältlichen Songs generiert hat. Das Konzept ist also Vergangenes wieder erhältlich zu machen, aber denn eben auch konsequenterweise in limitierter Auflage.
BODYSTYLER: Was ist in eurem Leben seit der letzten Albums-Veröffentlichung denn so Spannendes passiert?
Schäfer: Nachdem der ganze Promotionwust durch war, haben wir einige spannende Auftritte, u.a. auf dem Summer Darkness, und ein paar Einzelgig's gespielt. Es gibt nicht viel Brillanteres als Songs, die einem viel bedeuten, live zu performen. Was das Musikalische angeht, sowie das Entwickeln von neuen Songs, ist es nach einem Album immer so, dass wir da erstmal in ein kreatives Loch fallen. Meist kann man diese ersten Song-Ideen dann „dem Hasen geben“. Man bastelt Wochen und Monate an überflüssigen Songstrukturen rum, bis plötzlich eine Melodie da ist, bei der wir uns dann sicher sind, dass es nun wirklich wieder los geht.
BODYSTYLER: Was sind eure Pläne für die nächste Zeit? Wann können eure Fans mit neuem Material rechnen?
Schäfer: Ich denke, vor Frühjahr 2012 wird ein neues Album nicht zu realisieren sein. Wir arbeiten gerade wieder intensiv an neuen Songs und einige haben schon ein wirklich wunderbares Gesicht. Abgesehen von der kreativen Seite ist das bei uns auch immer eine finanzielle Frage. Wir haben mit unseren CDs immer einen enormen Kostenaufwand, der, gemessen an den Absatzmöglichkeiten, eine riskante Gratwanderung ist. Deshalb gilt es auch, neue Wege zu finden, um NOYCE™ mehr Menschen näher zu bringen. Das geht aktuell nur über die Clubs oder eben über Festivals. Bei den meisten Festivals stehen wir aber leider auf „Ignore-Modus“. Ob dies nun an einem fehlenden Booker oder an fehlenden Kontakten liegt, ist uns auch nicht ganz klar. Fakt ist aber, dass wir gerade durch Live-Auftritte die meisten neuen Fans hinzugewinnen, weil wir live durchaus überzeugen und das Ganze mit einer Lichtshow und Videos auf den Punkt garnieren.
BODYSTYLER: Ihr veröffentlicht eure Alben im Eigenvertrieb. Wie kommt es dazu? Traut ihr den Plattenfirmen und ihren Strategien nicht oder glaubt ihr einfach nur, dass ihr es besser könnt?
Schäfer: Wir waren mit „Silence Gift“ bei Hyperium & Hypnobeat unter Vertrag und mich haben damals schon verschiedene Dinge gestört, die ich anders gemacht hätte. Ich mache aber eigentlich nur den Mund auf, wenn ich auch von etwas Ahnung habe. Ich habe damals bei Discordia und Nova Tekk gearbeitet und wusste also, wie man es auch machen kann. Als wir dann mit NOYCE™ 1996 angefangen haben, war es für mich logisch, dies mit einem eigenen Label zu machen. Mit Nova Media Distribution hatte ich kurz darauf dann sogar einen eigenen Vertrieb. Es war allerdings nie so, dass wir uns Labeln gegenüber verschlossen hätten. Wenn jemand ein schlüssiges Konzept hätte, würde nichts dagegen sprechen.
BODYSTYLER: Für wie wichtig haltet ihr soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter für Musiker mittlerweile?
Schäfer: Schon allein was den Austausch mit den Fans angeht, ist dies eine sensationelle Entwicklung. Man hat ja früher nicht alle Fans angerufen und kurz gesagt: „NOYCE™ haben eine neue CD“!, aufgelegt, um dann den Rückruf abzuwarten, wo dann der Fan „Gefällt mir“ sagt und ebenfalls wieder auflegt. Die ganze Kommunikation ist eine ganz andere geworden und das ist auch schön so. Als ich in der Musikbranche angefangen habe, haben wir noch per Fax rumhantiert. Da war es nicht möglich, den Menschen mal eben mitzuteilen, dass wir eine neue CD haben. MySpace hat uns da einen enormen Schub gegeben, was die Möglichkeiten der „Coma“ CD-Promotion anging. Aber trotz dieser ganzen neuen bunten Welt finde ich, dass es keineswegs ein persönliches Treffen mit den Menschen, die deine Musik in gleicher Form empfinden, ersetzen kann.
BODYSTYLER: Wenn ihr das perfekte Festival / die perfekte Tour planen könntet, bei dem/r ihr spielen würdet, wie sähe das aus? Wer wären eure Mitstreiter, was könnten die Fans erwarten, was käme nicht darin vor?
Schäfer: Es wäre ein Festival, dass es so sicher nicht geben würde, weil es eben in meinen Augen musikalische Qualität und Können voraussetzen würde. Wir würden artig den Opener machen, weil ich mir die feinen Bands danach natürlich selber anschauen möchte. Dann würden folgende Bands auftreten: Diorama (haben einfach ihren eigenen Stil), The Young Gods (großartige Live Band und Sample-Pioniere), IAMX (ebenfalls live ganz groß), Clan Of Xymox („Medusa“ war meine „Einstiegsdroge“ zur Szene), Apoptygma Berzerk (wegen alter Vertriebs-Verbundenheit), Diary Of Dreams (weil unsere gemeinsame Tour unglaublich war), VNV Nation (wegen unserer ersten großen Tour 1999), Ultravox (Helden der Kindheit), Sigur Ros (einfach großartig), Muse (das unglaublichste Live-Erlebnis überhaupt) und Depeche Mode (seit Jahren innovativ, wenn auch nicht immer gut). Und als „Special Guest“ müsste Mylene Farmer noch irgendwo rein, damit ich die Dame endlich mal live sehen kann.
BODYSTYLER: Bitte ergänze die folgenden Sätze!

Noyce™ ist…
Schäfer: ...anders.

Meine Mitmusiker sind…
Schäfer: ...brillante Menschen und Musiker.

Wenn wir live richtig Gas geben, dann...
Schäfer: ...bekommen die Menschen Gänsehaut.

Musik bedeutet…
Schäfer: ...der Soundtrack zum Leben.

Die am meisten überbewertete Band der Welt / unserer Szene…
Schäfer: Ach, da gibt es heutzutage leider sehr viele Bands. Gerne wird bei solchen Fragen ja „Unheilig“ genannt. Ich finde aber, er hat sich den Erfolg durch harte Arbeit verdient und seine Musik spricht nun einmal viele Menschen an. Die „Szene“ kennt aber keine Gnade. Meist neiden diesen Erfolg dann ironischerweise solche Bands, die durch Verzerrer über Tod, Krieg und andere „coole“ Dinge singen, die sich musikalisch gerne als Klon am Klon vom Klon orientieren, weil das ja mal irgendwann erfolgreich war, musikalisch irgendwo zwischen Gabba und Dark Techno rumeiern, aber Ihren Stil ganz hip „cyberwasweissich“ nennen. Auf der anderen Seite schaffen es genau diese Bands nicht einmal, trotz heutiger technischer Möglichkeiten, die musikalische Qualität eines „Worlock“ von Skinny Puppy zu erreichen und die Nummer ist über 20 Jahre alt! Naja und das deren Fans gerne grellbunte Polyester-Teile tragen, für die wir in den 80ern verprügelt worden wären, passt dann irgendwie ins Schema. Hört sich frustriert nach „früher war alles besser“ an, aber ganz ehrlich, die musikalische Qualität in der heutigen Szene ist teilweise wirklich erschreckend. Leider zählt Image oftmals mehr als die Musik.

Die am stärksten unterschätzte Band unserer Szene...
Schäfer: ...ist NOYCE™. Jetzt schau nicht so! Warum sollte ich denn in einem NOYCE™ Interview eine andere Band nennen? Bei jeder anderen Antwort würde ich mich selber nicht mehr ernst nehmen können! Arrogant? Hmmm… wäre es sicher, wenn nur ich diese Meinung vertreten würde, was aber letztlich nicht so ist. Diese positive Resonanz bekommen wir nicht nur von unseren Fans, sondern auch von DJ’s und den Medien. Wir sind von den Dingen, die wir machen, überzeugt und es wäre auch schlimm, wenn dem nicht so wäre.

Düsseldorf ist die musikalischste Stadt der Welt, weil...

Schäfer: ...neben Kraftwerk immer wieder Bands aus dieser Stadt gekommen sind, die in verschiedenen Genres Pionierarbeit geleistet haben.

Wir wollen die Revolution, denn...
Schäfer: ...das Unglück der Welt geht von den Ungeliebten aus!

Interviewfragen können...
Schäfer: ...leider immer noch nicht sexuell befriedigen. Ärgerlich!

• Wir finden den Bodystyler...
Schäfer: ...seit der ersten Ausgabe sensationell! Ja, …auch wir waren mal jung!

BODYSTYLER: Eigentlich ist ja gerade Sommer, aber wenn man sich mal so umschaut sieht es nicht unbedingt so aus (Anm. d. Red.: Pippi und Schäfer haben sich zum Interview auf dem „Woodstock II“, besser bekannt als Blackfield-Festival in Gelsenkirchen, getroffen. Erkennungszeichen war ein rosafarbener Hello-Kitty-Regenschirm, unter welchem das hiesige Interview entstanden ist) Was stellt ihr denn so bei Regenwetter an?
Schäfer: Ich labe mich an meinen Antidepressiva, höre schlimm melancholische Musik, die mich dann überraschenderweise positiv stimmt oder gehe auf ein verregnetes Festival, auf dem wir beide uns dann im Regen unterhalten. Aber Regen kann auch höchst charmant sein. Was wäre z.B. die Schlussszene von „Frühstück bei Tiffany“ ohne Regen und den nassen „Kater“? Und gibt es einen schöneren Geruch, als nach einem Sommerregen durch den Wald zu gehen?

BODYSTYLER: Was sollte die Welt noch unbedingt über euch wissen?
Schäfer: Das wir wohlerzogene Menschlein sind, die sich hiermit artig und selbstverständlich inklusive Hofknicks für dieses Interview bei Dir bedanken!
BODYSTYLER: Dann knicksen wir zurück und wünschen brav viel Erfolg für die nächsten 15 Jahre! //




Homepage:
Noycetm.de
Facebook.com/noycetm

© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //


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