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Any Second "Sünde: Mensch"

Nach einem 2012 in Eigenregie veröffentlichten Album sowie einer Download-EP (2014) erscheint nun der zweite Langspieler des Berliner Trios Any Second beim Label Out Of Line. Für die Musik sind dabei Oliver Senger (Agonoize, Infekktion, Sero.Overdose...) sowie Thomas "DosUnit" Strauß verantwortlich und das Mikrofon hält Jan Kluge fest in der Hand. Das Werk beginnt geradezu gemächlich, aber eher in dem Sinn wie einen auch Johan Van Roy mit seinem Suicide Commando genüsslich überrollt. Fette Sounds, knallige Beats und obendrauf wütende Vocals - der "Sturm" zieht auf und ebnet den Weg für markige Tracks wie "Sünde", "Zorn" oder dem mit tollem Groove ausgestatteten "Seelenhügel". Scharfe Synthie-Salven gehen dabei eine unheilschwangere, tanzbare Allianz mit den meist nicht gerade zimperlichen Texten und dazu passenden Samples ein. Das ist Szene-Futter wie es im Hellectro-Buche steht und obendrauf gibt es in der "Freakshow" sogar eine Wortschöpfung wie "eintrittsfrei" zu bestaunen. Das größte Plus von "Sünde: Mensch" ist jedoch mit Sicherheit die lebendige und spritzige Rhythmus-Sektion, welche die Truppe sehr positiv vom Rest der grauen Aggrotech-Masse abhebt. Da stört es dann auch nicht großartig, dass man zum x-ten Male die Phrase "ashes to ashes and dust to dust" serviert bekommt. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass diese noch nie mit der darauf folgenden Zeile "Ich trage in mir diese Last" kombiniert wurde... Den ersten Silberling beschließt ein Stück namens "Schrei mich nicht an", aber dafür ist es natürlich schon viel zu spät. Das Hirn hat die Sandpapier-Abreibung ja längst bekommen und die tanzwillige Gemeinde leckt sich die ebenfalls wunden Füße.
Auf CD #2 kümmern sich dann Szenegrößen wie [:SITD:], Cephalgy, Centhron, Mondträume oder auch SynthAttack um das Liedgut von Any Second und nur Trensity fallen mit ihrer schmissigen Darmsaiten-Implementierung ein wenig aus der Reihe. Die insgesamt zehn Remixe vertiefen natürlich die zuvor geschlagene Kerbe und der Tanzbefehl wird selbstredend in Dauerschleife skandiert. (Torsten Pape)

Label Out Of Line | 27.07.2018 | Homepage www.facebook.com/anysecond.berlin/

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